Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Neue Sirenen kommen mit Verspätung

Zweite Ausbaustufe für Warnsystem in Dortmund

Die Stadt bringt eine zweite Ausbaustufe für ein neues Warnsystem mit Sirenen auf den Weg. Sie sollen bei Notlagen nach Unfällen oder extremem Wetter warnen. Doch der Ausbau kommt nur schwer in Gang.

Dortmund

, 28.03.2018
Neue Sirenen kommen mit Verspätung

Auf einem Dach der Feuerwache 2 in Lindenhorst steht die ersten neue Sirenenanlage. © Dieter Menne

Die an umgedrehte Teller erinnernden Sirenen aus der Zeit des „Kalten Krieges“ haben schon seit Anfang der 1990er Jahre ausgedient. Jetzt soll ein neues Warnsystem her, um die Bevölkerung bei drohenden Gefahren wie Schadstoffwolken nach Unfällen oder Großbränden, durch Extremwetterlagen wie Orkan oder Starkregen, flächendeckenden Stromausfall oder terroristische Bedrohungen zu „wecken“.

Anfang Oktober 2015 hatte der Rat der Stadt deshalb den Neuaufbau eines modernen Sirenensystems für Dortmund beschlossen. Es soll in drei Stufen ausgebaut werden.

Umsetzung in drei Stufen

In der ersten Stufe sollten die nötigen technischen Voraussetzungen in der Leitstelle der Feuerwehr an der Steinstraße geschaffen und zwischen 16 und 24 Sirenen im Umfeld von sogenannten Störfall-Betrieben installiert werden – also im Bereich Hafen, im Wickeder Gewerbegebiet nördlich des Flughafens und an der Westfalenhütte. Bis Ende 2016 sollten die ersten Sirenen neuen Typs, die an Masten mit Lautsprechern erinnern, auf den Dächern stehen.

Doch der Zeitplan geriet gehörig durcheinander. Aktuell steht seit Dezember vergangenen Jahres gerade erst einmal eine neue Sirene – auf einem Dach der Feuerwache 2 in Lindenhorst, also in Hafennähe. Sechs weitere Sirenen hat die Feuerwehr bereits auf Lager. Sie sollen möglichst im Laufe des Jahres installiert werden. Weitere Sirenen unterschiedlicher Größe sollen folgen. Zwei Jahre später als geplant könnte dann also die erste Ausbaustufe abgeschlossen sein.

Statische Probleme

Die Gründe für die Verspätung: Für jedes Gebäude, auf dem eine Sirene installiert werden soll, ist eine umfangreiche statische und technische Untersuchung nötig. Auch die genaue Standortsuche braucht ihre Zeit, weil ein möglichst großes Gebiet mit einer Anlage abgedeckt werden soll. Und schließlich ist auch nicht jeder Privateigentümer bereit, sein Dach zur Verfügung zu stellen. „Der Vorlauf nimmt viel Zeit in Anspruch“, erklärt Feuerwehr-Sprecher André Lüddecke.

Trotzdem will die Verwaltung jetzt schon die zweite Stufe des 2015 beschlossenen Ausbaukonzepts zünden. Etwa 37 weitere Sirenen sollen dabei installiert werden. Im Mittelpunkt stehen dabei zentrale Verkehrswege, auf denen Gefahrgüter transportiert werden – also das Umfeld von Autobahnen und Autobahnkreuzen, aber auch von Bahnstrecken. „Die Anordnung der Sirenen orientiert sich daran, dass gemäß der vorhandenen Daten zum Gefahrguttransport auf Schiene und Straße davon auszugehen ist, dass hier die meisten Gefahrstoffe durch das Stadtgebiet transportiert werden“, heißt es in der Ankündigung der Stadt.

Rat entscheidet im Mai

Der Verwaltungsvorstand hat nun die Vorlage dazu auf den Weg gebracht. Der Rat soll voraussichtlich im Mai über das Maßnahmenpaket der zweiten Ausbaustufe entscheiden. Dazu gehört auch die schrittweise Neuanschaffung von 25 Fahrzeugen für die Feuerwehr, die technisch für mobile Durchsagen an die Bevölkerung ausgerüstet sind. Umgesetzt werden soll die zweite Ausbaustufe in den nächsten zwei Jahren – also bis ins Jahr 2020.

Die Kosten von rund 720.000 Euro muss die Stadt selbst tragen. An der ersten Ausbaustufe, die mit 471.600 Euro beziffert wurde, hatte sich das Land noch mit rund 218.000 Euro beteiligt.

In der dritten Ausbaustufe sollen dann ebenfalls auf Kosten der Stadt Wohn- und Gewerbegebiete mit höherer Bebauung mit Sirenen ausgestattet werden. Ziel ist, dass am Ende das gesamte Stadtgebiet nahezu flächendeckend mit rund 100 Warnanlagen erreicht werden kann. Nach den bisher gesammelten Erfahrungen wird das 2015 beschlossene Konzept damit wohl zu einem „Zehn-Jahres-Projekt“.

Bis Anfang der 1990er Jahre hatte der Bund ein flächendeckendes Sirenenwarnsystem betrieben und den Kommunen dann die Übernahme angeboten. Die meisten Städte verzichteten, weil das System technisch veraltet war und man Warnungen über Radiodurchsagen für ausreichend hielt. Der Dortmunder Rat hatte deshalb im September 1992 einstimmig den ersatzlosen Abbau der alten Sirenen im gesamten Stadtgebiet beschlossen.
Lesen Sie jetzt