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Neues in der Bargeld-Affäre

DORTMUND Nach neuesten Ermittlungen zur Bargeld-Affäre im OB-Amt hat die 42-jährige Ex-Mitarbeiterin mehr Geld veruntreut als die rund 400.000 €, die sie bislang zugegeben hat. „Der Verdacht, dass die Täterin wesentlich mehr Schaden verursacht hat, als wir bisher wissen, erhärtet sich,“ erklärte OB Dr. Gerhard Langemeyer.

von Von Gaby Kolle

, 09.01.2008
Neues in der Bargeld-Affäre

Die Bargeld-Affäre im Rathaus bleibt weiter spannend.

Im Fokus der Ermittlungen stehen zurzeit rund 36.000 Euro, die die Staatsanwaltschaft bislang einem 61-jährigen, inzwischen pensionierten Mitarbeiter des OB-Amtes zur Last gelegt hatte. Gegen ihn wurde jetzt das Ermittlungsverfahren gegen Zahlung einer Geldbuße von 100 € eingestellt. Seine angeblichen Unterschriften unter Auszahlungsverfügungen, die der Beschuldigte schon 2004 und weiter zurück manipuliert haben sollte, sind laut Schriftgutachter mit hoher Wahrscheinlichkeit gefälscht. Möglicherweise von seiner Kollegin.

Nur in einem Fall war der Beschuldigte geständig, 100 € für sich behalten zu haben. Er hätte den Betrag als Geschenk für ein Altersjubiläum aushändigen sollen, konnte dies aber nicht, weil die Jubilarin kurz zuvor gestorben war. Da er den Papierkrieg bei der Rückgabe scheute, entschloss er sich, das Geld selbst zu behalten. „Eher ein Unglücksfall als ein Delikt“, so Oberstaatsanwältin Dr. Ina Holznagel. Die 100 € muss er nun als Geldbuße an die Dortmunder Tafel zahlen.

Wie berichtet, sind seit 2002 rund 1,1 Mio. € im OB-Amt verschwunden – Geld, für das es nur gefälschte oder gar keine Belege gibt. Eine wichtige Frage, zu der Rechnungsprüfer und Staatsanwaltschaft ermitteln: Wie viel davon ist der ehemaligen Stadt-Bediensteten anzulasten, die das Geld zur Finanzierung ihrer Kokainsucht und für Internet-Casinos ausgegeben haben will.

So viel weiß man: Von 2002 bis Anfang 2007 hat sich die Frau mit gefälschten Belegen 690 Mal Beträge zwischen 50 und 5000 € von der Stadtkasse bar auszahlen lassen – angeblich für repräsentative Zwecke wie Altersjubiläen, Bewirtungen und Feste.

Fast 3000 unklare Fälle

Insgesamt müssen Revisoren und Kriminalpolizei 1829 ungeklärte Fälle allein für 2002 bis 2007 aufarbeiten und noch einmal rund 1000 aus den Jahren 1999 bis 2001. Kontrolleure vom Amt und Polizei recherchieren zurzeit, welche Vereins-Jubiläen und welche (Ausschuss-)Reisen, für die über das OB-Amt Geld aus der Stadtkasse floss, es tatsächlich gegeben hat und ob die Veranstaltungen, für die es Bares gab, tatsächlich im Terminkalender standen.

Die Möglichkeit, dass die veruntreute Summe höher sein könnte als die von der Verdächtigen eingeräumten 400.000 € lasse den Anklagetermin in die Ferne rücken, so Holznagel.

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