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"Nie locker lassen"

Lernt man Bettina Giesler kurz kennen, sieht man eine selbstbewusste Frau. Doch sie hat einen Schwerbehindertenausweis, der sie im wahrsten Sinne des Wortes behindert hat. Nur dank einer gehörigen Portion Hartnäckigkeit schaffte die 32-Jährige gegen viele Widerstände den Weg in die Selbstständigkeit.

11.12.2007

Im Mai 1997 ging ihr Leidensweg los. Die gelernte Krankenschwester fühlte sich im Job gemoppt. "Meine Achillessehne war dabei das Knie." Die junge Frau ist überzeugt, dass ihre psychischen Probleme am Arbeitsplatz dazu führten, dass sich ihre Knieprobleme verschlimmerten. So stark, "dass man mir sogar den Unterschenkel amputieren wollte". Vier OPs innerhalb von eineinhalb Jahren überstand sie. Sie bekam einen Schwerbehindertenausweis, der ihr eine 50-prozentige Gehbehinderung bescheinigte.

Sie bildete sich zur Gesundheitsmanagerin fort und entschloss sich schließlich, eine Umschulung zur Physiotherapeutin zu machen. Doch bis die im Jahr 2002 genehmigt war, focht die Dortmunderin einige Kämpfe mit dem Institutionen aus. "Angeblich war ich für die Umschulung aufgrund meiner Behinderung nicht geeignet." Doch das sei nach der Aktenlage, Stand 1998, entschieden worden. Zwischenzeitlich hatte Bettina Giesler aber durch eisernes Training und höchste Disziplin ihre Knieprobleme in den Griff bekommen. So reiste die resolute junge Frau kurzerhand nach Berlin zur Bundesanstalt für Angestellte (BfA). Dort wollte sie sich persönlich dem Gutachter vorstellen. Der weigerte sich, sie zu empfangen. Erst eine Rechtsanwältin boxte die Umschulung für sie durch.

Doch mit ihrem Abschluss zur Physiotherapeutin war längst nicht alles gut. Über 40 Bewerbungen blieben erfolglos. "Können Sie ihren Behindertenausweis nicht abgeben?" sei ihr in einem Gespräch gesagt worden. Generell machte sie die Erfahrung, dass ihr der Schwerbehindertenausweis den Weg zurück in den Beruf verbaute. "Schließlich dachte ich mir: Ihr könnt mich alle mal. Ich mache mich selbstständig."

Auszeichnung

Mittlerweile hat es Bettina Giesler geschafft. In ihrer Ein-Frau-Praxis für schulmedizinische und alternative Therapieformen ist sie die Chefin. Kürzlich durfte sie die Auszeichnung "Unternehmerinnenbrief NRW" in Empfang nehmen. "Der hilft mir hoffentlich bei den Banken."

Es wäre ihr zu wünschen, denn bisher gab's wenig Hilfe. "Ich hatte das Gefühl, dass ich gegen fast alle kämpfen musste: die BfA, die ARGE, die Krankenkasse, die Ärzte". Ihr Wunsch: "Die Mitarbeiter in den Ämtern müssen einfach besser informiert sein. Und die verschiedenen Institutionen müssen besser kooperieren." Lediglich die Wirtschaftsförderung Dortmund kommt bei ihr gut weg: "Die waren wirklich top."

Mit ihrer Geschichte möchte sie "anderen Menschen Mut machen, sich nicht hängen zu lassen, sondern aktiv ihr Leben zu gestalten und nie locker zu lassen." Bettina Kiwitt

Bettina Giesler ist zu erreichen unter Tel. 4 75 07 25 oder www.koerperorientierung.de

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