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Noch blühen keine Eisblumen

"Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit?" lautet der Text in der modernen Fassung des Winterliedes von Hedwig Haberkern.

19.10.2007

"Schneeflöckchen, du deckst uns die Blümelein zu, dann schlafen sie sicher in himmlischer Ruh", heißt es weiter. Doch so einfach ist das mit dem winterfesten Garten nicht, weiß Gerd Drees (66), der jetzt viel Arbeit in seine rund 400 Quadratmeter große Parzelle im Kleingärtnerver ein Fredenbaum II an der Burgholzstraße investiert.

Vertikutieren, mähen, düngen - so bereitet der 66-Jährige seinen Rasen auf den Winter vor. Das Gras, so hofft er, muss er in diesem Jahr nicht noch einmal mähen und streut schon einmal etwas Herbstdünger. Mit seinem hohen Kaliumanteil soll dieser in trockenen Wintermonaten den Wasserhaushalt der Gräser verbessern. "Ich probier das einfach mal aus", begründet Drees sein Debüt.

In zwölf Jahren gemeinsamer Kleingartenarbeit haben er und seine Frau schon einige Erfahrung gesammelt, wissen, welche Stauden sie raspelkurz zurückschneiden müssen und welche es mit zentimeterlangem Strunk stehen zu lassen gilt.

Die Obstbäume hingegen hat ein Bekannter für das Ehepaar zurückgeschnitten. "Das hat Luft gegeben", sagt Gerd Drees und deutet auf die Krone. Äste und Zweige im Inneren mussten weichen, die äußeren Zweige wurden gestutzt. "Da muss so viel Platz in der Krone sein, dass man einen Hut durchwerfen kann", zitiert der 66-Jährige eine alte Gartenweisheit.

Zwei Meter weiter ragen die Überreste eines Baumstumpfes aus der Erde. "Zehn Jahre hat mir der Baum statt Kirschen nur Blätter gebracht, da kam er weg." Danach hörte der Kleingärtner, ein Kirschbaum trage nur, wenn ein zweiter in der Nähe stehe.

"Eigentlich ist der Garten mein Hobby, aber es kann auch in Arbeit ausarten", scherzt Drees. Zum Beispiel, wenn es ans Harken und Umgraben der Beete geht. "Das geht so ins Kreuz", meint er und schiebt vor dem Gartenhaus einen Blumenkübel beiseite. Darin steht eine Canna-Pflanze, die er noch vor dem Frost in den Keller wuchten will, wo das nicht winterharte Gewächs vor dem Verfrieren geschützt ist.

Ganz anders läuft das etwa bei Osterglocken- und Tulpen. Ihre Zwiebeln brauchen den Kälteschock der Minusgrade, wurden deshalb schon vor 14 Tagen von Drees Ehefrau unter die Erde gebracht. Jetzt muss der Kleingärtner nur noch die restlichen Blumenkübel leeren und auf den Kopf stellen. Denn wenn sich darin Wasser ansammelt und das Ganze gefriert, könnten sie platzen. Gleiches gilt für die Regentonne - unter der Dachrinne an Drees Gartenhaus steht bereits die dritte.

Zu Holz- und Styroporleisten hatte man ihm geraten. "Die sollte ich in die Tonne hineinstellen, damit der Frost sie nicht sprengt. Hat alles nichts genutzt. Dieses Jahr lasse ich das Wasser vorher ablaufen", verspricht der Gartenfreund.

Noch gar nicht um den Winter scheren wollen sich allerdings die Maiglöckchen zur linken Seite des Gartens. Sie ignorieren geflissentlich den fortgeschrittenen Kalendermonat und recken ihre grünen Triebe beherzt den wärmenden Strahlen der Herbstsonne entgegen.

Bianca Belouanas

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