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Noch mehr Vorwürfe

von Von Andreas Wegener

, 22.08.2007
Noch mehr Vorwürfe

Was passiert hinter den Türen der JVA?

4. Kommunikation

An den Türen gibt es Sprechanlagen, aber oft melden sich die Bediensteten erst eine Stunde später. Viele kommen mit der Situation hier nicht klar, aber wenn man mal einen Seelsorger oder einen Psychologen sprechen will, muss man einen Antrag schreiben. Das dauert Tage. Einige JVA-Beamten sind ganz nett, aber sie haben nie Zeit. Telefonieren geht so gut wie gar nicht.

Blikslager: Mittels der Gegensprechanlage können die Gefangenen jederzeit unmittelbar Kontakt zu den Abteilungsbeamten aufnehmen. Hier gibt es keine Wartezeiten. Ein Gespräch mit einem Anstaltspsychologen oder einem Anstaltsseelsorger muß in der Tat beantragt werden. Hier kann es auch durchaus zu Wartezeiten kommen. Dies entspricht im übrigen des Verhältnissen draußen. Etwas anderes gilt selbstverständlich dann, wenn wir den Eindruck haben, dass akuter Handlungsbedarf beispielsweise wegen Suizidgefahr besteht.

5. Hofgang

Einmal am Tag können wir für eine Stunde auf den engen Innenraum. Wenn es regnet, hat man eben Pech gehabt. Regenjacken oder Unterstellmöglichkeiten gibt es nicht.

Blikslager: Jeder Gefangene hat Anspruch auf eine Stunde Freistunde täglich. Zur Grundausstattung, die jedem Gefangenen zur Verfügung gestellt wird, gehört ein Parka.

6. Zellen

Die Zellen sind klein und alle total verschmiert. Allerdings sind neulich einige für den bevorstehenden Besuch der Ministerin saniert worden. Sie durfte auch nur diese sehen. Die Luft ist stickig, lüften kann man fast gar nicht.

Blikslager: Alle Zellen werden regelmäßig renoviert. Verschmiert werden sie von den Gefangenen selbst. Alle Hafträume sind mit Fenstern versehen, die zum Lüften ggf. 24 Stunden geöffnet werden können. Frau Ministerin läßt sich von mir nicht vorschreiben, welche Hafträume sie besichtigen „darf“.

7. Besuch

Wer wann Besuch bekommen darf, ist reine Willkür der Beamte. Wenn man dann seiner Familie sagt, was einem hier nicht passt, wird das Gespräch sofort abgebrochen. Für Kinder ist der Besuch besonders schlimm. Auch sie müssen sich an die Wand stellen und werden abgetastet.

Blikslager: Die Besuchszeiten sind festgeschrieben. Entscheidungen orientieren sich an Recht und Gesetz und werden nicht willkürlich getroffen. Die Mehrzahl der Besuche wird lediglich optisch überwacht. Besuche von U-Gefangene, die akustisch überwacht werden müssen, werden nur dann abgebrochen, wenn der Gesprächsinhalt das Verfahren gefährden könnte. Leider ist es erforderlich, auch Kinder, die Gefangene besuchen wollen, zu kontrollieren. Anderenfalls würde ein Einfallstor für unerlaubte Gegenstände u.a. Drogen geöffnet.

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