Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Patienten vertrauen ihr blind

180 Quadratmeter, helle, farbige, Räume, ein freundlicher Empfang. Heute eröffnet Jana Oberhoffner ihre Physiotherapie-Praxis am Körner Hellweg. Nichts ungewöhnliches - wäre die Chefin nicht schon 45 Jahre alt. Und blind.

06.12.2007

Die Dortmunderin ist eine von knapp 40 Frauen und Männern, die sich mit Hilfe des EU-Projekts "Go unlimited!" selbstständig gemacht haben. "Alle haben Behinderungen, körperliche Einschränkungen oder chronische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder schwere Diabetes", sagt Koordinator Michael Dreiucker. Seit 2005 habe man mit Hilfe des Diakonischen Werks Westfalen in den Städten Dortmund und Köln versucht, für Behinderte passgenaue Unterstützungsangebote zu schaffen. "Die Nachfrage war größer als erwartet - über 1100 interessierten sich für eine Gründung." Offenbar reichen die bestehenden Jobangebote nicht aus, der Weg in die Selbstständigkeit ist für viele Behinderte die letzte Chance.

Jana Oberhoffner, gelernte Krankenschwester, hatte sich in Spanien mit einem kleinen Pflegedienst selbstständig gemacht, als sie nach und nach ihre Sehkraft verlor. "Obwohl ich am Anfang noch mehr gesehen habe, war ich blinder als jetzt - weil ich nicht damit umgehen konnte", sagt sie heute. Damals kehrte sie zurück, erhielt eine ausreichende Erwerbsunfähigkeitsrente. "Für mich war aber schnell klar, dass ich nicht zuhause bleiben will. Weil ich schon über 40 Jahre alt war, musste ich für meine Ausbildung zur Physiotherapeutin kämpfen", erzählt Jana Oberhoffner.

Bei der Umsetzung ihrer Geschäftsidee hat das EU-Projekt geholfen, die letzten Hürden zu überwinden. So bereiteten der Dortmunderin die hohen Kosten für behindertengerechte Hilfsmittel Sorgen - die "Go unlimited"-Mitarbeiter vermittelten an die Fürsorgestelle, die die Kosten zum Teil übernahm.

Sogar auf eine Hilfskraft hätte die Jungunternehmerin Anspruch. Doch erstmal will sie es allein versuchen. Hilfe leistet nur ihr Angestellter Mario Mandel (25), ebenfalls blind. "Ich will selbst die Kontrolle behalten", sagt die 45-Jährige. Und die Patienten? "Die haben mit meiner Behinderung überhaupt keine Probleme. Ihnen kommt es auf das Gefühl in meinen Händen an, nicht auf meine Augen." weg

Infos zur Praxis: Tel. 5655321. Zum Projekt: www.equal.de

Lesen Sie jetzt