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Polizei zeigt Schock-Videos

DORTMUND Als die 42-Jährige aus dem Polizeiwagen steigt, laufen ihr Tränen über die Wangen. Nicht wegen der Anzeige, die sie gerade bekommen hat - ein Film hat sie betroffen gemacht.

von Von Andreas Wegener

, 20.08.2007
Polizei zeigt Schock-Videos

Ein Polizist visiert einen Raser an.

Montagmorgen an der Ruhrallee: Zum ersten Mal setzt die Polizei bei einer Tempokontrolle Schock-Videos ein. Die symphatische Frau mit den rötlichen Haaren war mit knapp 90 km/h erwischt worden, wo 60 erlaubt sind. Ralf Lehrke bat sie an den Laptop: Erst zeigte er ihr einen Clip mit einem plötzlichen Bremsmanöver bei dieser Geschwindigkeit: quietschende Reifen, ein Klirren, Schnittwunden in Großaufnahmen. "Das war sehr anschaulich", sagt die Dortmunderin, "aber der zweite Film hat mich viel stärker berührt." Ein Polizist gibt einem Raser, den er vom Fußball kennt, vor der Schule statt eines Strafzettels einen Brief: "Lieber Andi, ich hatte eine Tochter, die mit sechs Jahren bei einem Unfall starb. Ich werde sie erst wiedersehen, wenn ich in den Himmel komme..."

Die 42-Jährige wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. "Ich ärgere mich über mich selbst. Nur wegen eines blöden Zahnarzttermines bin ich zu schnell gefahren. Natürlich hätte was passieren können. Ich glaube schon, dass mir das Video etwas gebracht hat."

Lehrke hat mehrere Filme auf seinem Rechner. "Für jedes Delikt das Passende", erläutert der 48-Jährige. Freiwillige können sich die Temposünder teils krasse Bilder ansehen: Ein junger Mann trinkt mit Freunden Bier, dann kracht sein Wagen durch eine Hecke, erschlägt einen Jungen beim Fußballspielen. Sein Vater stürzt zu ihm, hält ihn in den Händen, schreit. Eine Frage wird eingeblendet: "Könnten sie damit leben?"

Ergebnisse keinen Deut besser

Der Polizist glaubt, dass die schockierenden Bilder bei einigen Fahrern - vor allem bei Fahranfängern - schon eine Verhaltensänderung bewirken. Nötig wäre es: "Wir stehen hier schon vier Tage - doch die Ergebnisse werden keinen Deut besser", sagt Harald Stimmberg. Erst wenn sein Kollege mehr als 84 km/h misst, zückt er die Kelle. In weniger als vier Stunden musste er das am Montag gut 90 Mal tun.

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