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Ruhrgebiets-Karneval vom Feinsten

DORTMUND 2007 war ein gutes Jahr. Kokain-Skandal im Rathaus, Loveparade, Pilger-Wahn - lauter Steilvorlagen für den Geierabend. Die acht Panneköppe unter der Regie von Günter Rückert haben alles gegeben. Am Donnerstag hatte einer der besten Geierabende seit Jahren Premiere.

von Von Katrin Pinetzki

, 28.12.2007

Wer eine Karte für den Ruhrgebiets-Karneval auf Zeche Zollern ergattert hat, darf sich auf drei Stunden Nonsens, herrliche Musik-Parodien, aber auch recht bissige Satire freuen. Klar tauchen sie alle wieder auf: die AWO-Oppas mit ihren Racheplänen für Zivi Knut (das Arschloch) und die gestressten Kellnerinnen Lilli und Lotti, die planlosen Geschwister Wemser und Missgeburt ebenso wie Ur-Sauerländer Joachim Schlendersack aus dem schönen Schnöttentrop, der vom Wett-Pilgern der katholischen Landfrauen berichtet.

Und doch ist alles ein wenig anders als sonst. Immi und Lollo, die zwei vonne Südtribüne, schimpfen zwar wie eh und je gegen Schalker, ihre Nibelungentreue gegenüber dem BVB hat jedoch stark nachgelassen. Obwohl der BVB immer dann gewinnt, wenn Immis Dackel gesoffen hat, will Immi die Gesundheit seines Tieres nicht länger opfern – nur noch, wenn Borussia gegen Schalke spielt.

Auch die Auswahlkriterien von Sportdirektor Zorc kommen bei den beiden Saufbrüdern nicht gut an: „Er zeigt den Spielern einen Ball, einen Würfel und eine Flasche Bier und fragt dann: Wat davon is der Ball?“ Neu ist auch, dass Witten-Annen nicht mehr alleine als Zielscheibe für beißenden Großstadt-Spott dient. Zwar gibt es einen herzerwärmenden Auftritt der Witten-Annener Symphoniker (das bestens aufgelegte Original Jallermann-Klangtett in Altkleidern), die ihr Konzert dem Abteilungsleiter „Tee und Licht“ ihres Möbelhauses widmen.

Ebenso gebeutelt werden neuerdings aber auch die Ur-Einwohner von Selm-Bork und jene aus Lünen. So soll OB Langemeyer den SPD-Chef Franz-Josef Drabig nicht etwa einen „Lügner“, sondern einen „Lüner“ genannt haben – in Dortmund ein noch viel schlimmeres Schimpfwort.

Wenn’s nach den Premierengästen geht, geht der wenig begehrte Pannekopp-Orden in dieser Session an Vorstandsvorsitzenden Werner Müller für seine Rache an der Ruhr: Der habe viel Geld für einen Namen ausgegeben, der gar nichts mehr bedeute: Evonik statt RAG. Doch das Schlimmste ist: Seit die Borussen  die „schäbbich lila“ Schrift auf dem Trikot tragen, „spielen sie wie die Betriebsmannschaft eines Kosmetikkonzerns“.

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