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"Schnell entschieden, Schule dicht zu machen "

12.12.2007

Neun Monate nach einer theoretischen Unterweisung in das "Handlungskonzept Amok" ereilte am Dienstag das Schulzentrum in Renninghausen die Praxis. Im Interview mit Redakteur Peter Bandermann spricht der Leiter der Robert-Koch-Realschule, Achim Bahrenberg, über den Tunnelblick und das Gefühl am Tag danach.

Herr Bahrenberg, wie standen Sie zu dem "Handlungskonzept Amok" im März 2007 - und mit welchen Augen sehen Sie diesen Aktenordner heute?

Bahrenberg: Wir Schulleiter haben damals auch irritiert reagiert, manche fanden das alles übertrieben. Aber: Der Gedanke, dass ein Amoklauf eintreten könnte, war gesetzt. Das hat Dienstag eine entscheidende Rolle gespielt, vor allem bei unserer Schulsekretärin Gabriele Reitz. Sie hat intuitiv und schnell die Polizei alarmiert, mit allen folgenden Schritten richtig reagiert.

Wo waren Sie zum Zeitpunkt des Alarms?

Bahrenberg: Auf einer Fortbildung über die "Selbstständige Schule". Dort hatte ich in der Pause irgendwie ein ungutes Gefühl, bin dann zu meiner Schule ... da war alles in Ordnung ... und auf der Fahrt zurück zur Fortbildung kam dann um 13.05 Uhr dieser Anruf.

Wie reagierten Sie?

Bahrenberg: Völlig unsicher. Auf dem Parkplatz bin ich mit dem ersten Streifenwagen eingetroffen. Ganz wichtig: Ausgestiegen ist ein Polizeibeamter, zu dem unsere Schule schon oft Kontakt hatte und dem ich sofort vertrauen konnte. Wir haben schnell erörtert, was zuerst zu tun ist und uns dafür entschieden, die Schule dicht zu machen.

Hatten Sie den berühmten Tunnelblick?

Bahrenberg: Ich habe nur noch funktioniert. Das im März vorgestellte Amok-Handlungskonzept mit dem Aktenordner war sehr hilfreich. Ein Zeitgefühl hatte ich nicht. Der Informationsfluss war sicherzustellen und genau zu unterscheiden zwischen dem, was gesagt werden darf und was nicht. Das Wort "Amok" ist nie gefallen.

Gab es Tränen bei den Kindern?

Bahrenberg: Ja, vor allem in den unteren Klassen. Meine Kolleginnen und Kollegen haben liebevoll getröstet und die Angst genommen. Eltern haben uns heute zwar gesagt, dass sich ihre Kinder verlassen fühlten - aber das war definitiv nicht der Fall.

Lehrer übernehmen in dieser Lage schlagartig sehr hohe Verantwortung für viele Kinder. War am Dienstag Zeit, über eigene Gefühle zu sprechen?

Bahrenberg: Als die Schule am Nachmittag leer stand, haben wir kurz beieinander gestanden und tief durchgeatmet. Für mich steht fest: Wir müssen unser Handeln weiter reflektieren und auch das Kollegium betreuen.

Ihr Fazit?

Bahrenberg: Wir hatten Glück. Und ich wünsche mir eine regelbare Lautsprecheranlage, die unsere Durchsagen nicht nach außen überträgt.

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