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Schul-Prügelei: Täter eine Woche aus Klasse verbannt

04.03.2008

Schul-Prügelei: Täter eine Woche aus Klasse verbannt

<p>Christian Pfeiffer. Wegener</p>

Die beiden Jungen (9/10), die auf dem Schulhof den neunjährigen Andre verprügelten und ihren brutalen Angriff filmten, dürfen eine Woche nicht am Unterricht teilnehmen.

Das teilte Rektorin Mechthild Hoffmann gestern mit. "Das ist prima, dann muss mein Sohn die beiden nicht heute schon sehen, wenn er wieder zur Schule geht", sagte Cornelia Steinert, die Mutter des Opfers.

Für den renommierten Kriminologen Dr. Christian Pfeiffer hat die Comenius-Grundschule genau richtig reagiert. "Es ist wichtig, dass den Tätern gleich klargemacht worden ist, dass solche Gewalt ernst zu nehmende Konsequenzen hat", erklärte der Experte. Wünschenswert wäre zudem eine umfassende Diskussion in der Klassengemeinschaft. Schulleiterin Mechthild Hoffmann bekräftigte: "Wir werden zusätzliche Projekte zur Gewaltprävention anstoßen und alles tun, damit sich so ein Vorfall nicht wiederholt."

Pfeiffer hat zuletzt 2006 eine umfassende Untersuchung zu gefilmten Straftaten und Erniedrigungen gemacht. "Damals fanden wir heraus, dass jede zehnte Straftat unter Kindern und Jugendlichen damit verbunden ist." Das Phänomen sei aber eher unter Jugendlichen bekannt. "Eine Verjüngung der Täter würde mich allerdings nicht wundern", so Pfeiffer.

Eine Ursache für derartige Gewalt sieht er in dem extensiven Medienkonsum von Grundschülern. "Wer in diesem Alter im Fernsehen und bei Videospielen extreme Brutalität erfährt, stumpft nachweislich in puncto Mitleid ab." Vor zwei Jahren hatte Pfeiffer in einer Studie herausgefunden, dass Zehnjährige in Dortmund im Schnitt 3,3 Stunden vor Fernsehen und Computerspielen verbringen. 40 Prozent von ihnen gaben an, in der vergangenen Woche einen Film gesehen zu haben, der erst ab 16 bzw. 18 Jahren empfohlen wird.

Unterdessen dauern bei der Polizei die Ermittlungen zu dem Vorfall an. Die Beamten wollen versuchen, die Erwachsenen zu identifizieren, die auf dem Video zu sehen sind. "Gegen sie sollte auf jeden Fall wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt werden", meint Rolf Wagemann von der Opferschutzorganisation "Weißer Ring". Er glaubt nicht, dass die Tat ein Einzelfall ist: "Vorfälle dieser Art werden meist verschwiegen", glaubt der ehemalige Polizeibeamte. Andreas Wegener Seite 6: Schulen

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