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"Sie sehen nichts"

Im Kanalbau hat Dortmund die Nase vorn. Der Startschuss für das größte Projekt seit über 100 Jahren ist gefallen.

12.10.2007

Das Entwässerungsnetz "Schondelle" soll erneuert werden, dreieinhalb Kilometer Rohre im Gebiet Rombergpark und Phoenix West. Die Begründung leuchtet ein: Kanäle aus dem Jahr 1897 können kaum aktuelle Standards erfüllen.

Veranschlagt sind 2 Jahre Bauarbeiten, aber Autofahrer und Ausflügler haben nichts zu befürchten: Gräben durch Straßen und Rombergpark werden vermieden, denn die Stadt arbeitet innovativ. "Sehen Sie, Sie sehen nichts" heißt das Motto des Projekts. Tatsächlich funktioniert die Instandsetzung vergleichsweise dezent. Denn renoviert wird unterirdisch. Statt die Kanalstrecke komplett frei zu legen, werden neue große und haltbare Rohre in den Boden hineingeschoben. "Rohrvortrieb" nennt der Experte das.

"Die Methode birgt zahlreiche Vorteile. Weder anliegende Geschäfte noch Anwohner werden durch Baustellen beeinträchtigt. Und wo kein Stau und keine Umleitungen entstehen, sparen wir schon pro Tag 15 000 Tonnen CO²", rechnet Jens Hölterhoff vor, Vorstandsvorsitzender der deutschen Gesellschaft für grabenloses Bauen und Instandhalten von Leitungen.

Auch für die Stadt lohnt sich die Technik. Christian Falk, Leiter der Stadtentwässerung: "Der Rohrvortrieb spart auch reine Baukosten. An manchen Stellen liegen die Kanäle bis zu 30 Metern unter der Erde, entsprechend tief müssten unsere Gräben sein."

Ökologisch bewähren sich die Maßnahmen auch langfristig. Die alten Rohre nahmen noch sauberes Bachwasser auf und leiteten es mit in die Emscher. Die Trennung von Abwasser und Bach ermöglicht in Zukunft eine Offenlegung und Renaturierung der Schondelle.

In Kauf zu nehmen sind Schächte von bis zu 30 Metern Tiefe. Falk nennt sie "diskrete Baugruben", die alle 300 bis 500 Meter ausgehoben werden. Insgesamt wird also mindestens sieben Mal gebuddelt. Schächte sollten die Dortmunder aber noch gewöhnt sein. cl

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