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US-Truppen besetzten die Dortmunder Innenstadt

Heute vor 65 Jahren

DORTMUND Vom Kriegsende für ihre Stadt wurden die Dortmunder heute vor 65 Jahren gewissermaßen im Schlaf überrascht. Innerhalb einer Woche hatten sich die Einheiten der US-Armee durch die Vororte in Richtung Zentrum vorgearbeitet.

von Von Oliver Volmerich

, 13.04.2010
US-Truppen besetzten die Dortmunder Innenstadt

Einen US-Soldaten beim Gang durch die Bäumerstraße in der Innenstadt zeigt diese Bild aus dem April 1945.

Schon am Abend des 12. April haben sie den Rand der Innenstadt erreicht, während sich deutsche Soldaten und NS-Statthalter aus der Stadt absetzten. Alles sei voller amerikanischer Panzertruppen, meldet die Chronik der Bonifatiusgemeinde nahe der B1. „Die Soldaten sehen sehr gesund aus und sind auf das beste ausgerüstet (...). Ein Völkergemisch. Sie vergnügen sich schnell auf der Straße mit Ballspielen. Sie sind sehr ängstlich und tragen Waffen immer schussbereit mit sich. Jetzt beginnt eine jahrelang nicht gekannte Ruhe, und alles atmet doch auf.“

Über dem Stadtzentrum wurden schon Flugblätter zur bevorstehenden Übernahme abgeworfen, während in der südlichen Innenstadt noch letzte Volkssturm-Abteilungen versuchten, die US-Einheiten beim Vormarsch auf das Stadtzentrum zu stoppen. Bis 2 Uhr dröhnte das Artilleriefeuer.

Dann konnten die Amerikaner ungehindert ins Herz der Stadt einrücken. „Als wir am Freitagmorgen, 13.4., erwachten, wußten wir gar nicht, daß sich die wichtigsten Veränderungen für uns abgespielt hatten. Wir hatten herrlich geschlafen und dabei war nachts um 2 Uhr der Feind eingerückt!“, berichtet ein Anwohner der Silberstraße in seinem Tagebuch. „Ich stellte mich in die Trümmer von Silberstraße 32 und sah dort die Panzerkolonnen der Amerikaner. Alles war motorisiert. Die Panzer waren riesengroß.“ Wie in den Stadtteilen durchsuchten die US-Truppen nach und nach jedes Haus nach Waffen und möglicherweise versteckten deutschen Soldaten.

Besuch bekam auch Dr. Hermann Ostrop in seiner Wohnung in der südlichen Innenstadt wohnte. Der frühere Zentrumspolitiker fungiert als stellvertretender Oberbürgermeister der Stadt. Am Mittag holten ihn ein Polizeioffizier und mehrere US-Soldaten ab und bringen ihn zum Kommandeur der 95. US-Infanteriedivision Major John A. Reilly, der seine Befehlsstelle im halb zerstörten Stadthaus an der Olpe eingerichtet hatte. Zu seiner Überraschung wird er nach kurzem Verhör zum kommissarischen Oberbürgermeister ernannt. Und er bekommt mit der Militärregierung gleich gut zu tun. Plünderer ziehen durch die Straßen, die in Geschäften und Lagern zuschlagen. Dazu gehören auch ehemalige Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, die zum Teil ihrer Wut und Rache über ihr oft jahrelanges Martyrium freien Lauf ließen. Es sollte längere Zeit dauern, Ordnung ins Chaos zu bringen.