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Unsicherheit macht sich breit

"Ein Scheißprodukt bist du! Du kleine Schwuchtel!" Sven schreit sich in Rage und lässt sein Gegenüber zum wiederholten Mal in zwei prall gefüllte Müllsäcke plumpsen, was ein schmatzendes Geräusch macht.

06.03.2008

Unsicherheit macht sich breit

<p>Ausgerechnet Müllsäcke rücken im Stück "zwischenTräume" immer wieder in den Fokus. Geschrieben hat es Opern-Dramaturgin Verena Harzer. Pinetzki</p>

Regisseurin Solvejg Bauer ist noch nicht ganz zufrieden. "Lauter! Das muss lauter kommen!" Im Operntreff wird heftig geprobt: Am 1. April hat "zwischenTräume" Premiere, ein kleines Stück Musiktheater für drei jugendliche Laien-Darsteller, eine Profi-Sängerin und einen sechsköpfigen Sprechchor. Sven, Jan, Diana und die anderen haben sich bei einem Casting durchgesetzt und erleben nun, wie eine richtige Theaterproduktion entsteht.

Es geht um drei Jugendliche, die mit ganz alltäglichen Unsicherheiten kämpfen: Anna (Diana Pieper) träumt sich weg aus ihrer trostlosen Siedlung in eine schickere Welt, Michael (Jan Wosnitza) wohnt bei seiner Oma und lebt in einer Fantasiewelt, und Borjan (Sven Voss) ist ein Macho, der seine Probleme durch Coolness und Brutalität überdeckt. Doch sie alle haben etwas gemeinsam: den mysteriösen Traum von einer weißen Sängerin, die Robert-Schumann-Lieder von Sehnsucht und einer anderen Welt singt.

Für das Stück, geschrieben von Opern-Dramaturgin Verena Harzer, hat sich das Theater eine Gast-Regisseurin geholt. Solvejg Bauer probt mit den Jugendlichen nun unter professionellen Bedingungen, die ganzen Osterferien durch, acht Stunden am Tag.

Jan Voss macht das nichts aus: "Ich will später auf die Schauspielschule, deshalb mache ich mit", sagt der Abiturient des Reinoldus Schiller Gymnasiums. Erste Erfahrungen aus dem Schultheater und aus TV-Gerichtsshows hat der 18-Jährige schon, "bislang wurde ich immer als Fiesling besetzt. Das scheint meine Rolle zu sein", sagt er grinsend.

Neu und anders an dieser Produktion ist aber auch für Jan die Verknüpfung von Schauspiel und Musik: "zwischenTräume" ist kein Musical, dennoch spielen Lieder, aber auch chorisches Sprechen und selbst erzeugte Geräusche eine wichtige Rolle.

Dafür ist der Sprech-Chor zuständig, der die Handlung mit synchron gesprochenen Textpassagen vorantreibt, aber auch Geräusche erzeugt, die punktgenau auf die Dialoge passen müssen. So wie jenes satte Schmatzen, wenn Sven sein Opfer zum wiederholten Mal auf die Müllsäcke schmeißt. pin

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