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Unter 40 Bewerbern nach vorne getanzt

30.12.2007

Unter 40 Bewerbern nach vorne getanzt

<p>Zufrieden mit 2007: Johanna Försterling. Reminghorst</p>

Ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende. Zeit, Bilanz zu ziehen, auch ganz persönlich. Wir stellen in einer Serie zum Jahreswechsel Dortmunder vor, die in den vergangenen zwölf Monaten Außergewöhnliches erlebt haben - wie Ballett-Elevin Johanna Försterling.

Wenn Johanna Försterling an 2007 zurückdenkt, tut sie das erstaunlich cool. Immerhin ist im zu Ende gehenden Jahr ziemlich viel zum ersten Mal passiert im Leben der 22-Jährigen: Abschlussprüfung, Vortanz-Termine, erster Job, Umzug in eine andere Stadt. Aber langsam, von vorne: Johanna Försterling kommt aus Karlsruhe und tanzt, seit sie vier Jahre alt ist. Seit Mitte August tut sie es am Dortmunder Ballett. Die große, zierliche junge Frau ist eine von acht Eleven, die ein Jahr lang in der Dortmunder Compagnie mittrainieren, Bühnen-Erfahrung sammeln und sich weiter entwickeln. Das ist noch kein festes Engagement, von dem Tänzer nach ihrem Studium träumen - aber der beste Weg dorthin.

Zweiter Versuch

Anfang des Jahres freilich ahnte sie davon noch nichts - Silvester 2006/2007 dachte Johanna erst einmal nur an ihr Diplom an der Akademie des Tanzes in Mannheim. Im April ging es los: Auf zum Vortanzen nach Dortmund! Das Haus kannte sie bereits, im Vorjahr hatte sie sich als Mitglied im Ensemble beworben. "Die Atmosphäre hat mir gefallen", sagt Johanna, die 2006 nicht genommen wurde. Auch im April 2007 war sie nicht sonderlich optimistisch, als sich mit ihr 40 andere junge Tänzerinnen und Tänzer beim Bewerbungs-Training drängelten. "Nach je zwei Übungen wurde aussortiert", sagt Johanna, "je länger ich dabei blieb, desto nervöser wurde ich."

Die letzte Bestätigung, dass es geklappt hatte, kam per E-Mail. Als eine von zwei deutschen Eleven sollte es für Johanna Försterling Mitte August losgehen. Kurze Zeit später fuhr sie wieder nach Dortmund, um sich erneut zu bewerben - diesmal in sechs Wohngemeinschaften. Nun wohnt sie mit einer Studentin und einem Berufsschullehrer im Kreuzviertel - und ist glücklich: "Mein Highlight 2007 ist, dass ich hier sein kann."

Trotzdem ist in Dortmund für sie alles anders. "Man bekommt nicht mehr so viele Korrekturen wie in der Ausbildung und muss sich selbst stärker disziplinieren", sagt sie. Doch das scheint zu funktionieren. Seit Beginn der Spielzeit ist die Tänzerin mit dem Nasen-Piercing in "Romeo und Julia" und in "Schwanensee" zu sehen, auch bei der Eleven-Matinee wirbelte sie auf der Bühne.

Pünktlich um 9.30 Uhr ist sie jeden Morgen am Theater und wärmt sich für das Training im 10 Uhr auf. Den ganzen Tag wird geprobt, manchmal ist abends noch eine Vorstellung. "Auch wenn es nicht viel Geld gibt - ich würde mich jederzeit wieder so entscheiden", resümiert Johanna, die 2008 schon wieder an die Zeit nach Dortmund denken muss: Im Januar und Februar wird sie in Linz, Berlin, Oslo und Glasgow vortanzen. Katrin Pinetzki

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