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Verdammt cool

DORTMUND Frisch, fromm und fröhlich singend marschieren blau bekittelte Arbeiter über die Bühne: „Guten Morgen, wir gehen die Arbeit an“, schmettern sie, und „Singen macht das Schaffen angenehm“.

von Von Katrin Pinetzki

, 20.01.2008
Verdammt cool

Auch wenn es auf diesem Bild so aussieht: Elwood und Jake Blues (Michael Kamp, Jakob Schneider) lassen sich nicht unterkriegen - schon gar nicht von Western- und Countrymusik.

Das ist es eigentlich nicht, was man erwartet, wenn sich der Vorhang zu den „Blues Brothers“ öffnet. Doch genau so beginnt die Bühnen-Version des Kultfilms in Dortmund: Gezeigt wird zunächst die verblendete, von Wohlstand und Wachstum korrumpierte Gesellschaft, in der die Blues Brothers leben – und gegen die sie kämpfen.

Im Dortmunder Schauspielhaus hat Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer die eigentlich undankbare Aufgabe bekommen, den Kinofilm mit seinen spektakulären Action-Szenen für die Bühne zu bearbeiten. Das Ergebnis ist furios. Selten gab es bei einer Premiere so viel Zwischenapplaus, so schnell stehende Ovationen, so viele beschwingte Gesichter.

Party inszeniert

Schmidt-Rahmer hat aus dem Stoff um die Brüder Blues, die mit musikalischen, mitunter auch illegalen Mitteln 5000 Dollar für ihr ehemaliges Waisenhaus auftreiben wollen, ein Musical gemacht. Ein waghalsiges Unterfangen für ein Schauspielhaus, das voll und ganz geglückt ist.

Ähnlich wie bei Schmidt-Rahmers ebenfalls erfolgreichem Stück „Kommt ein Mann zur Welt“ wird auf der Bühne eine große, chaotisch und improvisiert anmutende Party gefeiert. Wie viel Arbeit hinter dieser Wirkung steckt, kann man nur ahnen.

Eine glückliche Hand bewies er bei der Auswahl der Mitwirkenden: Neben den verdammt coolen Hauptdarstellern (Michael Kamp, Jakob Schneider) und ihren musikalischen und gesellschaftlichen Gegenparts (Matthias Heße, Günther K. Harder) spielt eine (schauspiel)freudige Profi-Band mit, der man den Spaß an der Sache in jeder Szene ansieht. Mit der Amerikanerin Brenda Boykin  wurde zudem eine grandiose Bluessängerin verpflichtet, deren Energie bis hinauf auf den Balkon reichte und das Publikum von den Sitzen riss.

Eher Musical-untypisch gehört zu dieser Inszenierung keine aufwändige Bühne, keine große Ausstattung – das Geheimnis liegt in vielen originellen Einfällen, im charmanten Understatement. Etwa, wenn ferngesteuerte Spielzeug-Autos die Verfolgungsjagd aufnehmen, oder wenn Jake seinem Bruder Elwood nach einer Prügelei rhythmisch den Staub vom Anzug klopft. Großes Kino? Großes Theater!   Termine: 24.1., 2., 10., 16., 29.2.; Karten: Tel. (02 31) 5 02 72 22.

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