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Verfahren gegen Jochen Schweizer läuft weiter

Bungee-Prozess

DORTMUND Ist Jochen Schweizer als Betreiber der inzwischen demontierten Bungee-Anlage am Florianturm verantwortlich für den Tod eines 31-jähriges Springers aus Mommenheim bei Mainz? Ende Mai soll ein Gutachten die Antwort liefern.

von Von Peter Bandermann

, 29.04.2010
Verfahren gegen Jochen Schweizer läuft weiter

Nach dem tödlichen Bungee-Sprung vom Dortmunder Florianturm kommt es nun doch nicht zum öffentlichen Strafprozess.

Sieben Jahre nach dem Unglück vom 20. Juli 2003 kann das Amtsgericht ein 2004 zunächst geplatztes Strafverfahren gegen den „Spezialisten für Erlebnisgeschenke“ (Schweizer im Internet) eröffnen. Denn der immer wieder aufgeschobene Termin für die Vorlage des entscheidenden Gutachtens durch den Sachverständigen Dr. Bernd Fago aus dem Büro Schimmelpfennig und Becke in Münster rückt näher.

Die Komplexität des Falls und eine lange Krankheit des Experten hatte den Termin immer wieder verzögert. Der Vorwurf der „fahrlässigen Tötung“, den die Staatsanwaltschaft gegen Schweizer richtet, verjährt 2013. Diese Zahl hatte Unruhe bei den Hinterbliebenen ausgelöst. Laut Staatsanwaltschaft sei der Betrieb der Bungee-Anlage „mangelhaft“ organisiert gewesen. Es habe keine ausreichende Qualitätskontrolle gegeben. Und angesichts der heißen Temperaturen hätte das Seil nicht eingesetzt werden dürfen. Bereits ein erstes Gutachten stellte einen Wartungsfehler fest.

Das Amtsgericht sah das 2004 anders und lehnte die Hauptverhandlung ab, weil das Gutachten nicht überzeugend gewesen sei. Denn der erste Seil-Prüfer war der Sachverständige, der vor Inbetriebnahme der Anlage aus technischer Sicht grünes Licht erteilt hatte. Beim Landgericht legte die Staatsanwaltschaft eine „sofortige Beschwerde gegen den Nichteröffnungsbeschluss“ ein. Die Entscheidung der höheren Instanz: Der Tatverdacht sei „hinreichend“, das Amtsgericht muss verhandeln. Umgehend beauftragte es einen neuen Sachverständigen. Dr. Fago arbeitete sich in die Materie ein und musste vor allem klären, ob es an dem Tag für das Seil zu heiß war. Wetterdaten dafür lieferte die Firma von Jörg Kachelmann. Diese Informationen werden in das Gutachten eingebettet. Sobald es vorliegt, muss das Amtsgericht einen Termin finden.