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Verwandlungen am Klavier

13.01.2008

Verwandlungen am Klavier

<p>Rainer Maria Klaas am Flügel. Grindau</p>

Für seine Entdeckerfreude ist Pianist Rainer Maria Klaas bekannt. Jetzt hat er Leopold Godowskys Bearbeitungen der 24 Chopin-Etüden entdeckt. Sechs der Bearbeitungen des spätromantischen, polnisch-amerikanischen Klaviervirtuosen stellte er am Samstag im Harenberg-Haus sechs Chopin-Etüden gegenüber. Mit dem Konzert stimmte Klaas ein auf seinen dritten Klavierkurs gestern im Pianohaus van Bremen, der ebenfalls die Chopin-Etüden zum Thema hatte.

Im Klang ähneln sich die Werke von Chopin und die eine Spur dichteren Bearbeitungen Godowskys, rhythmisch sind letztere kunstvoller, in der Form zum Teil fantasievoller: Auch in Mazurken und Polonaisen hat Godowsky die Etüden verwandelt. Und in Bearbeitungen nur für die linke Hand. Damit erinnerte Klaas an das Thema seines Klavierkurses 2007: Werke für eine Hand. So viel Klangvolumen wie aus den Etüden für beide Hände holte Klaas aus diesen Werken heraus. Der Raum in der 18. Etage des Harenberg-Hauses war manchmal schon zu klein für die pianistische Bravour, die er aus allen Werken klingen ließ: aus den vorwärts drängenden Etüden, Rachmaninows 2. Klaviersonate und der Uraufführung der "Verwandlungen" des Dortmunder Komponisten Martin Pohl-Hesse (49).

Metamorphosen einer Insektenpuppe aus einem Kokon in einen Schmetterling hat Pohl-Hesse nach einem Gedicht von Claude Morénas illustriert. Mit einem rhythmisch sehr genauen Spiel zeigte Klass diese Verwandlungen und den Aufbruch der Puppe - bis am Schluss der Schmetterling in fast impressionistische Gefilde flattert. Wer vor zwei Monaten Ivo Pogorelich im Konzerthaus mit Rachminows 2. Sonate gehört hat, erkannte das Werk am Samstag kaum wieder. Leidenschaftlich, hochvirtuos und kraftvoll ging Klaas es an - und trotzdem mit Zwischentönen, Nuancen und Farben. Meisterlich. JG

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