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Vier Musiker auf den Spuren von Alban Berg

Minetti Quartett bei «Next Generation»

22.05.2007

Nach dem Schauspieler Bernhard Minetti hat sich das Minetti Quartett aus Österreich benannt - weil der Name so schön klingt. Und auf den schönen Klang sind die vier Streicher, die sich am Sonntag beim Harenberg-Festival «Next Generation III» vorstellten, sehr bedacht. Zu Minetti gibt es aber auch eine Verbindung: Die beiden Geigerinnen, die sich seit Kindertagen kennen, stammen aus Ohlsdorf, dem Geburtsort von Dramatiker Thomas Bernhard, dessen Lieblingsschauspieler Minetti war. Die Verbindung aus Kindertagen hört man bei dem 2002 gegründeten Ensemble: Die Übereinstimmung im musikalischen Denken, Phrasieren und Atmen ist besonders bei den beiden Geigerinnen sehr ausgeprägt. Seinem Lehrer, dem Alban Berg Quartett und dessen vollendetem Klang, ist das Minetti Quartett auf der Spur. Vor allem im 2. Streichquartett von Szymanowski hörte man das. Das Werk aus dem Jahr 1927 ist wohl die musikalische Visitenkarte des Minetti Quartetts. Seit Gründung des Ensembles gehört es zum Repertoire, ist zu einem Musterbeispiel musikalischen Feinschliffs geworden. Die Extreme, die das Werk vor allem im dynamischen Bereich prägen, loteten die vier zwischen 25 und 28 Jahren jungen Musiker sehr schön aus. Mut zu schroffen, ruppigen Tönen hatten die Streicher und fanden zu einer betörenden Ruhe im Finale des Quartetts, das mit einer ungewöhnlichen Satzreihenfolge überrascht und mit einem langsamen Satz ausklingt. Der Sinn für Ton- und Klangkultur ist eine Qualität des Minetti Quartetts - seine Spontaneität die andere. Haydns Quartett op. 76,5 lebte von dieser Frische im Spiel, dem brillanten Ton im rasch und quirlig gespielten Finale. Aber auch von Ausdruckstiefe, die das Minetti Quartett dem langsamen fis-Moll-Satz gab und behutsam das harmonische Dunkel ertastete. Ein Spätwerk ist dieses Haydn-Quartett; es öffnet Türen zu Beethovens Werken der Gattung, wie dem mittleren der drei Rasumowsky-Quartette. Impulsiv, mit viel Kraft spielten die Österreicher dieses Werk. Noch nicht die große, abgeklärte Reife, die aus ihrer Interpretation des Szymanowski-Werks klang, hatte dieser Beethoven - trotzdem einen spannungsvolle Interpretation. JG

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