Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Von der Lilli zur Maria

Theaterzuschauer, die eine Karte für "Josef und Maria" ergattert haben, werden beim Blick ins Programmheft staunen: Dort ist ein Foto abgedruckt, auf dem Kammerschauspielerin Helga Uthmann im Minirock auf dem Tisch tanzt - eine Aufnahme von vor 44 Jahren. RN-Redakteurin Katrin Pinetzki sprach mit der 74-Jährigen.

05.12.2007

Von der Lilli zur Maria

<p>Helga Uthmann als Maria und Claus Dieter Clausnitzer als Josef sind ab heute im Studio des Schauspiels zu sehen. Reminghorst</p>

Frau Uthmann, welche Geschichte versteckt sich denn hinter diesem Bild?

Uthmann: Also, das ist natürlich ein Theaterfoto. Ich spielte damals am Landestheater Bruchsal eine Figur namens Lilli in dem Western-Musical ,Prärie-Saloon'. Worum es in dem Stück ging, weiß ich gar nicht mehr, aber ich musste singen - dabei konnte ich das gar nicht richtig. Es war wohl mehr ein Sprechgesang. Ich schätze, ich war damals Anfang 30.

Und wie ist dieses Foto im Programmheft gelandet?

Uthmann: In Peter Turrinis ,Josef und Maria' geht es ja um eine alte Frau, die den Heiligen Abend ganz alleine verbringen muss und die sich daher zum Putzdienst im Kaufhaus gemeldet hat. Dort lernt sie Josef kennen, die beiden erzählen sich ihre Geschichten. Als sie jung war, war die Maria im Stück fast so etwas wie eine Nackttänzerin, sie hat eine Ballettausbildung und tanzte im Varieté. Davon erzählt sie Josef. Fürs Programmheft fragte mich der Dramaturg dann, ob ich ein Bild von früher hätte, das zum Stück passt, und da fiel mir dieses ein. Erst hatte ich Angst, dass der Grafiker eine Nackttänzerin aus mir macht ... aber es ist ja alles gut geworden.

Und im Stück, wird da auch alles gut? Die Ausgangslage klingt ja recht traurig: Zwei einsame alte Menschen an Weihnachten im leeren Kaufhaus ...

Uthmann: Es ist tatsächlich eigentlich eine traurige Geschichte, die Themen berührt, mit denen Menschen in meinem Alter sich stark beschäftigen und die noch immer sehr aktuell sind: Was passiert mit mir im Alter, was mache ich, wenn meine Kinder mich nicht mehr wollen? Am Ende wird im Stück dann aber doch manches gut. Es ist eine prachtvolle Rolle für eine ältere Schauspielerin. Vor sieben Jahren habe ich die Maria schon einmal in Wuppertal gespielt.

Die Proben diesmal waren ja recht ungewöhnlich ...

Uthmann: Ja, wir haben zum Beispiel frühmorgens im Kaufhaus gedreht. Und dann hatten wir sogar Tango-Unterricht! In einer Szene muss ich dem Josef das Tangotanzen beibringen. Herr Hühner vom Tanzstudio Gödde hat uns dabei geholfen, da haben wir natürlich viel Spaß gehabt. Claus Dieter konnte sich noch ein bisschen an seine Tanzstunde erinnern. Ich hoffe, ich werde dabei nicht fallen, ich bin ja nicht mehr so gelenkig ...

Und wie sieht der Heilige Abend bei Ihnen aus?

Uthmann: Er beginnt um 14 Uhr im Opernhaus, ich lese dort eine Weihnachtsgeschichte. Dann fahre ich nach Hause und feiere mit meiner Schwester, wir essen in alter Tradition Kartoffelsalat und Würstchen. Am zweiten Weihnachtstag stehe ich schon wieder als Maria auf der Bühne, die Vorstellung wurde zusätzlich eingeschoben. Wenn es so eine gute Nachfrage gibt, dann spielen wir auch gerne!

Karten: Tel. 50-27222

Lesen Sie jetzt