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Vorwurf: Fehler im Altenheim

DORTMUND Massive Vorwürfe gegen ihre Stationsleitung erhebt eine examinierte Altenpflegerin, die seit fast 16 Jahren im städtischen Seniorenheim an der Weißen Taube in Kirchhörde arbeitet. Der Stationsleiterin wirft sie gemeinsam mit weiteren Kollegen vor, Mobbing zu betreiben sowie Fehler im Umgang mit Patienten.

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 10.03.2008
Vorwurf: Fehler im Altenheim

Was spielt sich hinter diesen Mauern ab? Mitarbeiter schrieben einen Beschwerdebrief, in dem sie ihre Stationsleitung beschuldigen.

Der Geschäftsführer spricht von „interner Mitarbeiterauseinandersetzung“, die „auf dem Rücken der Pflegeheim-Bewohner ausgetragen werden soll“. Angelika Vogel, examinierte Altenpflegerin im Städtischen Seniorenheim an der Weißen Taube 54, aber bleibt bei ihren Aussagen. Sie erhebt schwere Mobbing-Vorwürfe gegen eine der beiden Stationsleitungen im Wohnheim und wirft ihrer Chefin auch falschen Umgang mit Bewohnern vor.

"Alles gefressen"

Vogel nennt Beispiele: Eine Bewohnerin, inzwischen gestorben, soll über Bauchschmerzen geklagt haben. „Was heißt hier Bauchschmerzen? Überleg‘ mal, was die alles gefressen hat“, habe die Stationsleitung bei der Schicht-Übergabe zu einer Kollegin gesagt. Die alte Dame soll eine Tumorerkrankung im Bauchraum gehabt haben. Später soll die Chefin, konfrontiert mit der Aussage, diese bestritten haben.

Betäubungspflaster

Bei einer anderen Bewohnerin, die alle drei Tage mit zwei Betäubungspflastern versorgt werden musste, habe die Stationsleitung mal ein Pflaster vergessen. In einem anderen Fall soll eine 130-Kilogramm schwere Diabetikerin einen Blutzucker von nur 44 gehabt haben: Anstatt sie bei dieser Unterzuckerung hinzulegen, habe die Stationsleiterin die Frau noch unter die Dusche gestellt, ihr ein Antidiabetikum verabreicht und erst mittags den Zucker gemessen, der dann bei noch 33 gelegen habe. Angelika Vogel, selbst seit fast 16 Jahren im Altenheim an der Weißen Taube: „Die Pflegedienstleitung wurde informiert, aber sie sagte nur: ‚Ist ja nichts passiert‘.“

Dreifache Dosis

Eine weitere krebskranke Frau habe die dreifache Dosis eines Chemo-Therapeutikums bekommen. Bei der Essensversorgung bekämen die Bewohner die Sparmaßnahmen zu spüren (Vogel spricht von zu wenigen Kartoffeln und nur einem halben Stück Fleisch), und mit Inkontinenzmaterial sei das Haus unterversorgt. Geschäftsführer Martin Kaiser ist entrüstet: „In keinem meiner Häuser ist dies der Fall.“

Beschwerdebrief

Das städtische Seniorenheim an der Weißen Taube: Hier leben 84 alte Menschen in zwei Wohnbereichen, aufgeteilt in jeweils zwei Gruppen zu 30 und zwölf Senioren. Eine der beiden Stationsleitungen soll ihre Mitarbeiter massiv mobben. Zehn Kollegen wandten sich im März 2007 mit einem Beschwerdebrief an die Personalleitung und den damaligen Betriebsrat der Städtischen Seniorenheime. Geschäftsführer Martin Kaiser heute: „Vier sind übrig geblieben, die anderen haben zurückgezogen.“

Abmahnungen

Nicht zurückgezogen hat Angelika Vogel (Foto). Die 38-Jährige war mit einigen Kollegen inzwischen auch beim Anwalt. Vogel: „Die Personalabteilung sagte, unsere Vorwürfe seien berechtigt, und wies die Stationsleitung darauf hin, ihr Verhalten zu ändern.“ Die angeordnete Supervision sei erfolglos abgebrochen worden; die Leitung habe alles abgestritten. Es folgten ein zweiter Brief und im Oktober 2007 schließlich ein Gespräch mit Geschäftsführung, Betriebsrat und Heimleitung. Angelika Vogel zum Ergebnis: „Die Mitarbeiter sollten selbst kündigen oder Auflösungsverträge unterschreiben oder sich versetzen lassen.“ Und weiter: „Den examinierten Kräften, die den Brief unterschrieben haben, drohen Abmahnungen.“ Geschäftsführer Kaiser wundert sich über den öffentlichen Vorstoß über die Zeitung: „Wir sind in einem internen Klärungsprozess.“

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