Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

War für Jugendamt Tod des Vaters nicht absehbar ?

06.03.2008

"Für die Mitarbeiter war nicht absehbar, wie ernst die Krankheit des Vaters war." Das wiederholte Jugendamtsleiter Ulrich Bösebeck, als er am Mittwoch im Kinder- und Jugendausschuss zum Fall der beiden Schwestern aus Mengede Stellung nahm.

Nach Recherchen unserer Zeitung überraschen diese Aussagen den Halbbruder der Schwestern. Er erklärte, er habe der Schule nach dem letzten Krankenhausaufenthalt seines Vaters umgehend mitgeteilt, wie ernst dessen Zustand sei. Die Lehrer wollen diese Information sofort an das Jugendamt weitergegeben haben.

Als Stütze für die These, dass der Tod des 67-Jährigen völlig überraschend kam, führte das Jugendamt zudem ein "Kaffeetrinken" im Familienkreis an, bei dem es wenige Tage vor dem Krebstod des Vaters keine Hinweise auf die lebensbedrohliche Situation gegeben habe. Solch ein Treffen hat es nach Aussage des Halbbruders jedoch gar nicht gegeben.

Statt sich vor Ort von der belastenden Situation der Kinder ein Bild zu machen, will das Amt nach eigenen Angaben mit dem 67-Jährigen einen Termin für die folgende Woche vereinbart haben. Doch daran hätte er gar nicht teilnehmen können - zu diesem Zeitpunkt war schon lange ein weiterer stationärer Klinikaufenthalt in einer anderen Stadt geplant.

OB Dr. Gerd Langemeyer erklärte gestern, er habe keinen Grund, sich nicht vor die Mitarbeiter der Jugendhilfe zu stellen. "Die Alternative wäre gewesen, dem todkranken Vater seine Kinder wegzunehmen." Aber hätte es nicht auch die Möglichkeit gegeben, eine engmaschige häusliche Betreuung und Pflege sicherzustellen? Der Verwaltungschef räumte ein, dass man "das Thema im Nachhinein auch hätte anders behandeln können". Und: Der Vorgang bliebe nicht ohne Folgen. "Wir werden uns genau ansehen, was da passiert ist." Eine personelle Aufstockung der Jugendhilfe hält Langemeyer derzeit nicht für nötig. "Nicht die Quantität, sondern die Qualität muss verbessert werden." weg/nick

Lesen Sie jetzt