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Traktoren, LKW und Raser: Verkehrslawine erdrückt Anwohner

Anwohner der Hostedder Straße schlagen Alarm

Traktoren so groß wie Einfamilienhäuser, riesige LKW und hitzköpfige Raser. Die Anwohner der Hostedder Straße schlagen Alarm. Sie berichten von wackelnden Wänden, Lärm und gefährlichen Situationen. Sie fordern Tempo 30. Das wurde bisher abgelehnt – aus für sie völlig unverständlichen Gründen.

Hostedde

, 06.05.2018
Traktoren, LKW und Raser: Verkehrslawine erdrückt Anwohner

Anwohner Siegmund Fenner möchte eine Entschärfung des Verkehrs auf der Hostedder Straße erreichen. © Oliver Schaper

Schon zu ganz normalen Zeiten ist die Hostedder Straße zwischen dem Derner Kreisverkehr und der Kreuzung Flughafenstraße eine sehr belebte Verkehrsachse, auf der die Autofahrer häufig schneller als die vorgeschriebenen 50 km/h fahren. In Spitzenzeiten ist auf ihr noch mehr los. „Die Straße ist völlig überlastet“, schildert Anwohner Siegmund Fenner vor Ort. Hinzu komme die Rücksichtlosigkeit vieler Fahrer. „Wenn ich aus meiner Einfahrt hinaus möchte, dauert das bis zu 15 Minuten, weil keiner anhält.“

Wenn das Haus vibriert ...

Viele LKW seien auf der Hostedder Straße unterwegs. Die würden ziemliche Erschütterungen auslösen, verstärkt durch einige Löcher und Bodenwellen. „Ich habe bereits zwei Risse im Haus. Einen an der Außenwand, den anderen im Badezimmer“, erzählt Nachbar Ulrich Schmerberg. „Wenn ich im Bett liege, merke ich, wie das Haus durch den Verkehr vibriert.“

Hinzu kommen würden zur Erntezeit Traktoren „im Fünf-Minuten-Takt“, ergänzt Gregor Hasbach, der ebenfalls an der Hostedder Straße wohnt. „Diese Fahrzeuge sind keine normalen Traktoren mehr, sondern so groß wie eingeschossige Häuser und haben noch dazu einen 20-Tonner als Anhänger.“

Erhöht werde die Belastung der Hostedder Straße auch durch den Ausweichverkehr von der B1 und von der B236 im Falle von Staus.

Motorradrennen in Höhe des Kindergartens

Doch das Hauptproblem ist die zu hohe Geschwindigkeit: „Lebensgefährlich wird es vor allem für ältere Leute, die die Straße überqueren“, weiß Siegmund Fenner. Zwar gebe es zwei Fußgängerampeln – im Bereich „Am Kirchweg“ und an der Einmündung „In der Liethe“ – doch würden diese recht weit auseinander liegen.

Die elektronische Geschwindigkeitsanzeige, die „Dankeschön-Tafel“, wie Siegmund Fenner sie nennt, die in Höhe des Kindergartens angebracht worden sei, bringe überhaupt nichts.

Traktoren, LKW und Raser: Verkehrslawine erdrückt Anwohner

So ist es richtig. Das Auto auf der Bahnbrücke hält bei roter Ampel an der Linie, damit der Verkehr aus der Straße „In der Liethe“ auf die Hostedder Straße einbiegen kann. © Oliver Schaper

„Da lieferten sich gestern zwei Motorradfahrer ein Rennen, um zu sehen, wer das höhere Tempo auf dem Display erreichte“, erzählt der Anwohner kopfschüttelnd.

Siegmund Fenner erwähnt auch halsbrecherische Überholmanöver. Vor Kurzem habe er einen Autofahrer beobachtet, der nicht nur den stehenden Bus, sondern auch die vier hinter diesem wartenden Autos überholt habe – und das vor einer Kurve, die er nicht einsehen konnte. „Ihm kam ein Auto entgegen.

Beide machten eine Vollbremsung. Das Ganze ging gerade noch einmal gut.“ Was ist zu tun, um Abhilfe zu schaffen? „Tempo 30 müsste her auf diesen rund 600 Metern zwischen dem Derner Kreisverkehr und der Kreuzung mit der Flughafenstraße“, findet Siegmund Fenner.

Politik ist „weitgehend ohnmächtig“

Als weitere Maßnahme bringt der Anwohner „Blitzer“ ins Spiel. Solche Geräte könnten Geschwindigkeitsverstöße feststellen. Dann würden die Temposünder zur Kasse gebeten. „Nur so lässt sich doch eine Verhaltensänderung bewirken“, ist Siegmund Fenner sicher.

„Ich verstehe die Anwohner, doch wir sind als Bezirksvertretung (BV) weitgehend ohnmächtig“, sagt Bezirksbürgermeister Heinz Pasterny (SPD) im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Hostedder Straße sei eine wichtige Ost-West-Verbindung. Vielleicht werde der Verkehr auf ihr in Zukunft einmal weniger, wenn die Baustellen auf der Autobahn beendet seien.

„Wir haben die Verwaltung aufgefordert, geeignete Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung zu ergreifen“, nimmt der Bezirksbürgermeister die Ortspolitiker in Schutz gegen die Kritik der Anwohner. „Wir müssen nicht überzeugt werden, sondern die Verwaltung.“ Diese sei der BV immer noch Antworten schuldig.

Das Stadtteilparlament versuche, die Hostedder Straße in den Lärmaktionsplan aufnehmen zu lassen und so eine Reduzierung des Tempos auf 30 km/h zu erreichen.

Polizei hat 68 Unfälle registriert

Würden die Antworten der Verwaltung endlich vorliegen, könne auch ein von den Anwohnern gewünschter Ortstermin unter Beteiligung des Straßenverkehrsamtes vorgenommen werden, kündigte Heinz Pasterny an. Auch die Aufstellung von Blitzgeräten wäre zu begrüßen, so der SPD-Politiker.

Innerhalb von sechs Jahren haben sich nach Angaben von Polizeisprecher Kim Freigang auf der Hostedder Straße insgesamt 68 Unfälle ereignet. Die Hostedder Straße und ihre Kreuzung mit der Flughafenstraße würden bei der Polizei als Unfallhäufungsstelle gelten. 2015 habe es auf ihr einen tödlichen Unfall gegeben.

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