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Wer war der beste Hitler?

„Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“ im Schauspiel

Premiere im Schauspiel: Das Stück „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“ verkaspert die Macken selbstverliebter Schauspieler und die deutsche Obsession mit Adolf Hitler.

Dortmund

, 28.05.2018
Wer war der beste Hitler?

Ulli Lerch (Alexandra Sinelnikova) hat gegen die Platzhirsche Franz Prächtel und Peter Söst (Uwe Rohbeck und Ekkehard Freye) einen schweren Stand. © Birgit Hupfeld

Drei Schauspieler warten auf den Beginn einer Talkrunde. Die Herren haben schon Hitler verkörpert, die Dame hat den Goebbels gegeben. Wie spielt man Hitler, wer war der Beste? Kann eine Frau mitreden, die Goebbels war, nicht aber Hitler?

Theresia Walsers „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“ auf der Studiobühne des Schauspiels ist ein schallend lustiger Spaziergang über den Jahrmarkt der Eitelkeiten, ein Stück zwischen Satire, Groteske und Boulevard-Komik, das die deutsche Adolf-Obsession und die Macken selbstverliebter Schauspieler verkaspert.

Hitler war kein Parkinson-Tatterich

Franz Prächtel (Uwe Rohbeck) hält sich für einen Großmimen im Feld der Hitler-Darstellung. Gerade habe er in Tunesien des Führers Tischgespräche signieren müssen, so brillant sei er! Kollege Peter Söst (Ekkehard Freye) pflichtet ihm bei, um Prächtel wenig später in die Pfanne zu hauen: Wie dessen Hitler im Führerbunker sich die Suppe zum Mund zittere! Pures „Authentizitäts-Geschwuchtel“!

Er selbst habe den Mann viel besser gespielt, eben nicht als Parkinson-Tatterich. Walser hat das erkennbar auf Bruno Ganz gemünzt. Köstlich, wie die Herren sich abwatschen und verhöhnen, im geschliffenen Vokabular einer Kunstrezeption, die Theresia Walser ebenfalls durch den Kakao zieht.

Ein weiblicher Goebbels gegen zwei Platzhirsche

Gegen zwei aufgeblasene Platzhirsche hat die Dame (Alexandra Sinelnikova) einen schweren Stand. Die Kerle fahren ihr übers Maul. Pah, von einem Fräulein lässt sich ein Franz Prächtel gar nichts erklären! Das Duell der Egos setzt Thorsten Bihegue mit Verve und Tempo in Szene, da ist kein Leerlauf: Zum dialogischen Witz gesellt sich noch der physische, wenn Freye pantomimisch imaginäre Wände abtastet.

Mona Ulrich hat den Teilzeit-Hitlern Paradeuniformen im Nazi-Disko-Chic verpasst, hier weißer Feldherrenmantel, dort SS-Runen auf silberner Jacke. Die Dame sieht nach eleganter Gauführerin vom BDM aus – grell schöne Kostüm-Metaphern. Das Trio spielt und spricht mit Schmackes, nur Rohbeck guckt eine Spur zu oft wie ein entgeisterter Uhu. Ein Heidenspaß mit Hintersinn – der Beifall ist ein Sturm für sich. Absolut sehenswert.

Weitere Aufführungen gibt es am 1., 9., 14. Juni und 7. Juli. Karten gibt es im Opernhaus, unter Tel. 5027222 und online.