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Wenn Nachbarn streiten

Brechten Am Briefkasten klebt ein Schild: Paul Massow, Schiedsmann. Daneben das NRW-Wappen. Alles ganz offiziell. Wer aber klingelt, wer die paar Treppenstufen nach oben steigt, der findet sich in einem Brechtener Wohnzimmer wieder. Alles ganz gemütlich.

28.08.2007

Paul Massow sitzt am Tisch. Mit Polohemd und fröhlicher Miene. Seit drei Jahren schlichtet der 67-Jährige Streit. "Meist geht's um Auseinandersetzungen zwischen Nachbarn", sagt der pensionierte Bänker.

Wenn das Grillen beginnt, wenn der Heckenschnitt an der Reihe ist oder im Herbst die Blätter fallen - Paul Massow ist dabei. Termine wie diese erlebt der Schiedsmann aus einer besonderen Perspektive: Pünktlich zur Eröffnung der Gartensaison sitzen echauffierte Bürger in seiner Wohnung an der Oetringhauser Straße 60. Sie schimpfen auf ihre Nachbarn. Sie klagen über Bäume, die zu nah am Zaun stehen. Sie ärgern sich über laute Freiluftpartys ...

Und was unternimmt Paul Massow? Der hört sich den Frust geduldig an. "Nach ein paar Minuten frage ich die Leute, was sie denn eigentlich erreichen wollen." Jetzt beugt er sich vor, legt die Ellenbogen auf die Tischplatte und stellt nachdenklich fest, dass viel Lebenserfahrung zu dieser ehrenamtlichen Arbeit gehöre. "Ich muss die Menschen einschätzen können und immer den Respekt behalten." Er wolle vermitteln, sagt Paul Massow, Vergleiche finden - und im besten Fall die zerstrittenen Parteien wieder versöhnen.

Manchmal haben die Leute seit zwei, drei Jahren nicht mehr miteinander geredet. "Dann wird's schwieriger." Der Brechtener wiegt seinen Kopf. Dennoch ist er mit seinem Erfolg zufrieden: Rund 50 Prozent der Fälle enden im Einvernehmen.

Und weil sich der Ruheständler 2009 dem Ende seiner Amtszeit nähert, hat er auch schon über die Zukunft nachgedacht. Verlängern? Ja, das würde er gern. Wenn das Amtsgericht ihn denn vereidigt. Hilke Schwidder

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