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Wiegmanns trübes Kellerdasein

04.01.2008

Wiegmanns trübes Kellerdasein

Die bunten Chrysanthemen in der blauen Vase lassen ihre Köpfe hängen. Einige Blütenblätter verdorren auf dem Tisch. Ein prunkvoller Goldrahmen umgibt das Ölgemälde, das seit Jahren ein trostloses Dasein im Keller der Familie Grode fristet. "Es passt nicht zu unserer modernen Einrichtung", sagt Angelika Grode (57, Foto unten li.). Gestern steht sie mit ihrem Mann Dietmar im Museum für Kunst und Kulturgeschichte, um das Bild bei der "Kunstschätzchen-Sprechstunde" begutachten zu lassen.

Kunsthistorikerin Dr. Brigtte Buberl (Foto unten re.) sieht auf den ersten Blick, dass der "Schinken" wohl niemals in die Museen der Welt einziehen wird. Immerhin könne das Werk - vor gut 100 Jahren gepinselt vom Essener Maler Alfred Wiegmann - noch eine schöne Dekoration für Heim sein. Ihr Tipp: "Entfernen Sie den Goldrahmen, dann wirkt das Bild gleich ganz anders und kann auch in modernen Räumen seinen Reiz haben."

Und noch ein Erbstück der Schwiegermutter hat Angelika Grode entstaubt: Eine in Leinen gehüllte Madonna. Kein Gemälde, so die überraschende Einschätzung, sondern ein aufwändiger Druck, den eine Barabina-Malerfamilie aus Genua mit floralen Elementen versehen hat. "Über die Herkunft des Werkes werde ich noch weiter forschen", erzählt Dietmar Grode (60). Einstweilen lande das Schätzchen wieder auf dem Schrank.

"Diesmal waren wirklich ganz interessante Stücke dabei", zieht die Museumsmitarbeiterin nach gut zwei Stunden Bilanz. Den Besitzern einer Anbetungsszene mit Hirten aus dem 17. Jahrhundert empfiehlt sie, vor dem Verkauf eine Expertise anfertigen zu lassen. "Denn es ist ärgerlich, wenn man ein Bild für ein paar tausend Euro verkauft und später feststellt, dass man viel mehr hätte bekommen können", so die Expertin. Eine Einschätzung des Wertes gibt es von den Museums-Mitarbeitern übrigens nicht: "Dazu ist der Kunstmarkt viel zu unbeständig."

Meist ist der ideele Wert ohnehin viel höher. Joachim Timm (60) kennt das Hiddensee-Motiv, solange er lebt. "Es war die Lieblingsinsel meiner verstorbenen Mutter, hing bei uns immer an der Wand." Und als die beiden 1960 aus der DDR flohen, war es eingerollt im spärlichen Gepäck. Zu Ostern tritt das Ölbild nach 100 Jahren die Heimreise an: "Meine Frau hat mir einen Kurzurlaub auf die Insel geschenkt. Bei der Gelegenheit will ich das Bild noch einigen Experten zeigen", verrät der Lehrer. Andreas Wegener

Wiegmanns trübes Kellerdasein

<p>Joachim Timm mit einem Bild der Insel Hiddensee.</p>

Wiegmanns trübes Kellerdasein

Wiegmanns trübes Kellerdasein

<p>Der trübe Chrysanthemen-Strauß in Öl, den Dietmar Grode von seiner Mutter erbte, fristet seit Jahren ein tristes Kellerdasein. Jetzt bekommt er vielleicht einen neuen Rahmen. RN-Fotos Wegener</p>

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