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Wo ist Zuhause?

DORTMUND "Wo ist Zuhause?", fragt das Museum am Ostwall nun zum vierten und letzten Mal - und bittet Künstlerinnen und Künstler mit Zuwanderungsgeschichte um Antworten. Ab dem 25. Oktober sind im Studio die Positionen der türkischen Künstlerinnen-Schwestern Anny und Sibel Öztürk zu sehen.

von Von Katrin Pinetzki

, 24.10.2007
Wo ist Zuhause?

Sibel (li) und Anny Öztürk in ihrer Raum-Installation "Informal Structures".

Sie sind es leid, bei Ausstellungseröffnungen immerzu die gleichen Fragen beantworten zu müssen: Gehört die Türkei in die EU? Fühlen Sie sich eher deutsch oder türkisch? Hatte Ihr Vater einen Ford Transit? Anny und Sibel Öztürk haben ihren Unmut darüber künstlerisch verarbeitet. In der Computer-Installation "Don't ask me" (Frag mich nicht) können Besucher ihre Fragen an die Schwestern in ein Programm eintippen. Jede Frage wird von den beiden ein Mal beantwortet; irgendwann, so Anny Öztürk, würden sich die Fragen wiederholen und die Maschine könnte antworten.

Doch dies ist nur ein Anfangs-Gag. Die Frage, was Zuhause für sie bedeutet, beantworten die beiden, indem sie das Studio in eine Raum-Installation verwandeln, inspiriert von dem Armenviertel der kolumbianischen Stadt Medellin. Aus recycelten Materialien und Alltagsgegenständen - Sperrholz, Plastikplane, Klebeband - schaffen sie eine provisorische Wohn-Atmosphäre. Auf zerknittertem, bekleckstem Packpapier entstand die Skizze einer Straßenflucht mit offenen Stromleitungen, die übers Bild hinaus ragen und sich im Raum breit machen, so wie auch die Favelas unkoordiniert und ungeordnet wachsen. Butterbrotpapier ist das Medium einiger Zeichungen - etwa von dem Jungen, der seine Hausaufgaben unter der Straßenlaterne macht, weil die Eltern keinen Strom haben. In einer anderen Szene sitzen Oma und Enkel am offenen Ofen. Auch Erinnerungen an die Heimat der Eltern, der Türkei, spielen in die Installation hinein, sagt Anny Öztürk.

"Angelina Jolie" steht in bunten Leucht-Lettern an der Wand im zweiten Ausstellungsraum. Eine Zeichnung zeigt die Schauspielerin mit ihrem Mann Brad Pitt und ihren teils adoptierten Kindern. Dem Beispiel der Schauspielerin folgend können die Besucher einen der Buchstaben "adoptieren" - für 3000 Euro bekommen sie neben der Buchstaben-Lampe und einer Zeichung der Künstlerin auch eine Patenschaft für ein Unicef-Projekt oder ein SOS-Kinderdorf übernehmen. Soziales Engagegment wird auf diese Weise chic und dekorativ - ebenso wie die ihrem Zuhause entrissenen Kinder? Ein Projekt, das Anlass zu Diskussionen gibt. 

Eröffnung am 25.10., 19 Uhr; Ausstellung bis 27.1.2008

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