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Zumutung für die Anwohner

DORTMUND Rüdiger Schmidt (46) hat nichts gegen ein Fläschchen Bier bei warmem Wetter im Stadtpark. Aber der SPD-Fraktionschef in der Bezirksvertretung Scharnhorst hat sehr wohl etwas gegen „völlig betrunkene Jugendliche, die andere Passanten belästigen, beleidigen oder im Suff bedrohen“.

von Von Gaby Kolle

, 05.10.2007

So manche Nacht hat er sich bereits als Beobachter um die Ohren geschlagen. „Diese Gelage beginnen um 21.30 Uhr und gehen bis in die Morgenstunden.“ Eine Zumutung, meint er, für die 300 Familien, die an der Droote wohnen und zum Teil morgens früh zur Arbeit müssen.

Die Polizei vor Ort versuche zwar ihr Möglichstes, doch seit die Hauptwache von Körne nach Lünen verlegt worden sei, sei die Polizei in Scharnhorst völlig unterbesetzt. Schmidt fordert ein rigoroses Durchgreifen, aber: „Drei bis vier Beamte gegen eine Horde von 30 bis 50 Jugendlichen geht nicht.“ Die SPD werde in Kürze zum Runden Tisch einladen mit Polizei, Jugend- und Ordnungsamt sowie einigen Geschäftsleuten von der Droote.

Mit Uwe Waßmann (44), CDU-Parteivize und CDU-Vorsitzender des Stadtbezirks Scharnhorst, ist sich Schmidt über die Ursachen des Problems einig. Und darüber, dass vor Ort schon viel getan wird. Dennoch müsse die Stadt mehr Mittel für die Sozialarbeit bereitstellen. Waßmann: „In den Haushaltsberatungen werden wir das aufgreifen, Mitte Oktober einen Antrag formulieren.“

Das Problem, so Waßmann, sei die verfehlte Siedlungspolitik. Dass man Aussiedler aus Russland und Polen so geballt an einem Ort untergebracht habe. Mit allen Folgen der Ghettoisierung. Schmidt pflichtet bei: „Vor zehn Jahren hat man die einfach in die Wohnungen gesetzt. In zehn Jahren werden zwar viele integriert sein, aber einige im Knast sitzen.“

Die Statistik gibt ihm Recht. Unter den verurteilten jugendlichen Straftätern, die wegen Raub und gefährlicher Körperverletzung (mit Messer und Baseballschläger) einsitzen, sind überdurchschnittlich viele Russlanddeutsche, bestätigt Gerichtssprecher Dr. Gerhard Breuer. Gerade vor dem Hintergrund der hohen Geburtenrate in Scharnhorst-Ost müsse man etwas tun, meint Waßman, „um diesen Teufelskreis zu durchbrechen“.

Wolfram Frebel (50), jugendpolitischer Sprecher der Grünen im Rat, selbst aus dem Stadtbezirk Scharnhorst und Polizeibeamter, mag nicht glauben, dass die Probleme so schlimm sind. Am Wochenende will er sich selbst überzeugen. Frebel setzt auf Sozialarbeit wie beim Fan-Projekt: „Da müssen zwei, drei geschulte Kräfte ran, die mit denen sprechen.“ Bei Straftaten fordert er, wie Schmidt, ein hartes Durchgreifen der Polizei. „Dann müsste mindestens am Wochenende ein zweiter Streifenwagen in Scharnhorst besetzt werden.“

Auch schon um den Nachahmern Einhalt zu gebieten, von denen Schmidt und Waßmann in Lanstrop, bzw. in Husen und Kurl wissen.

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