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Drangsal: Ambitionierter Pop mit Pfälzer Wurzeln

Berlin/Herxheim. Er lebt jetzt in Berlin, bleibt aber ein Pfälzer Jung': Max Gruber alias Drangsal steht zu seinen Wurzeln. Seine Indiepop-Songs haben auf dem zweiten Album „Zores“ meist deutsche Texte und kommen ganz ohne provinzielle Muffigkeit aus.

Drangsal: Ambitionierter Pop mit Pfälzer Wurzeln

Zwischen Berlin und Herxheim: Drangsal. Foto: Annette Riedl

Da war zunächst mal die Sache mit dem Künstlernamen: Drangsal - was ist das denn bitte? Und dann auch noch dieser seltsame Albumtitel: „Harieschaim“. Als Max Gruber vor zwei Jahren mit seinem sogleich hochgelobten Indierock-Debüt die deutsche Musikszene betrat, musste er einiges erklären.

Inzwischen weiß die Pop-Öffentlichkeit, warum er das altertümliche deutsche Wort Drangsal (in etwa: Qual, Bedrängnis, Leid) mag, und dass seine langjährige Heimatstadt Herxheim bei Landau einst auf gut Pfälzisch „Harieschaim“ hieß. Kaum sind diese Rätsel gelöst, kommt Gruber alias Drangsal mit seiner zweiten Studioplatte „Zores“ kaum weniger mysteriös daher.

Wieder ein Dialekt-Albumtitel (Zores für: Ärger, Zank, Wut). Wieder ein regional geprägter Song - nach „Hinterkaifeck“ vom Debüt nun „Gerd Riss“, Drangsals Hymne auf einen pfälzischen Sandbahn-Motorradchampion. Dazu diesmal meist deutsche Texte: Sie kommen zum Glück ohne dubiose Heimattümelei aus, sondern pendeln zwischen Schlagerhaftigkeit im Ärzte-Stil („Turmbau zu Babel“) sowie klarer und manchmal auch verrätselter Pop-Lyrik.

„Schaut mich an, ich werde älter“, singt Gruber, inzwischen 24 und seit vier Jahren Wahl-Berliner, mit überraschend heller Stimme im „Zores“-Opener „Eine Geschichte“. Und tatsächlich ist dieser talentierte Künstler nicht nur älter, sondern auch reifer geworden. Der etwas eindimensionale Bariton des Debütalbums ist einem flexibleren, eindringlicheren Gesang gewichen.

Der Grund: Gruber hatte „nach zweieinhalb Jahren Singen und Touren“ schwere Stimmbandprobleme, wie er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin berichtet. Er stellte seinen Lebenswandel um - hörte auf zu rauchen, trank kaum noch Alkohol und Kaffee, nahm „keinerlei Drogen“. Erleichtert sagt der Sänger im Interview: „Jetzt weiß ich, wo meine Stimme stattfindet“ - also wohl nicht mehr in den ganz so tiefen Registern.

Ganz abgesehen von solchen gesundheitlichen Hemmnissen: Nach dem Erfolg von „Harieschaim“ - fast einstimmiger Kritiker-Jubel, Echo-Nominierung 2017, Preis für Popkultur, Einstieg in die deutschen Album-Charts - fiel Drangsal der Neustart nicht leicht. „Ich war zeitweise in einer emotionalen Talsohle: Was mache ich denn jetzt eigentlich? Hat das kreative Feuer vielleicht nur für eine Platte gereicht?“, räumt Gruber ein.

Am Ende entschied er sich dafür, weder sklavisch fremde Erwartungen zu erfüllen noch krampfhaft etwas völlig Neues zu erfinden. „Ich habe es zuerst mal nur mir selber recht machen wollen.“ Dazu gehört, dass Drangsal ganz unverblümt Vorbildern aus dem Indiepop der 80er Jahre huldigt: Depeche Mode, The Smiths, vor allem Prefab Sprout - eine englische Band, deren genialen Songwriter Paddy McAloon Gruber verehrt.

Auch wenn die „Zores“-Produktion sehr modern klingt, orientiert sich Drangsal also nicht an derzeit angesagten Musikern und Genres, sondern eher an Postpunk- und New-Wave-Klassikern. „Ich war nie gern jung, allein schon wegen meines Musikgeschmacks“, gibt Gruber zu.

So sehe er sich beispielsweise zu den derzeit so umstrittenen Deutsch-Rappern „sprachlich und musikalisch als Gegenbild“. Enge Bande pflegt Gruber hingegen zum zuletzt sehr erfolgreichen Casper („Hinterland“, „Lang lebe der Tod“), zu Bands wie Sizarr oder Die Nerven und auch zu Konstantin Gropper vom Orchester-Pop-Projekt Get Well Soon.

Ob seine potenziell mit englischen Texten singbaren Lieder demnächst auch über den deutschsprachigen Raum hinaus bekannt werden - Drangsal ist das momentan nach eigenen Worten nicht so wichtig. Zumal ihn die Flugangst ohnehin an manchen längeren Reisen hindern würde. Zunächst einmal soll „Zores“ den Status von Drangsal als einem der spannendsten Pop-Acts des Landes untermauern. Die Chancen für den Pfälzer Jung' stehen gut. 

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