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Ein Leben für den Judosport

LÜNEN Das Judo-Urgestein Manfred Skrobotz leitete das letzte Training und wurde jetzt als Übungsleiter verabschiedet. Axel Hadac vom Vorstand der LSV-Judoka überreichte dem dienstältesten Trainer Lünens zum Abschied und Dank ein Geschenk. Damit geht nach über 40 Jahren eine Ära zu Ende. Ein Porträt.

von Von Meike Müller

, 18.12.2007
Ein Leben für den Judosport

Manfred Skrobotz beendet nach über 40 Jahren seine Trainerlaufbahn.

Der am 10. Februar 1937 geborene und aus Lünen stammende Skrobotz gehört seit Gründung der Judoabteilung im Jahre 1966 dem Lüner SV an. Den Ausschlag dazu gaben seine Eltern, die beide Turner waren und seine Geschwister, die sich dem Kampfsport verschrieben hatten. Da wollte er nicht zurückstehen. Seine aktive Laufbahn dauerte nicht lange, da er von Anfang an wusste, dass er die Trainerlaufbahn einschlagen wollte. Also erwarb er den Trainerschein und machte sich mit allen Arbeiten in den Abteilungen vertraut.

Seit 35 Jahren im Besitz der C-Lizenz

"Seit 35 Jahren besitze ich die C-Lizenz und habe sie neulich noch einmal bis Ende 2009 verlängern lassen. Denn einmal hatte ich das vergessen und dann durfte ich fast doppelt so viele Stunden trainieren, damit ich sie nicht verliere", erinnert sich Skrobotz. Seit zehn Jahren stand ihm als Co-Trainer Vincenco Di Palma zur Seite. Der Trainer-Senior schaffte seine Erfolge mit den Schülern Peter Wollnick, Björn Liebegut, Jörg Weidener und einigen anderen Jugendlichen. Wollnick brachte es zum Westdeutschen Meister-Titel und Weidener bis zur Vizemeisterschaft. Liebegut war zweimal dabei und holte mit der Jugend als Mannschaftstrainer die Westdeutsche Mannschaftsmeisterschaft.

Unterstützung durch Ehefrau Gitte

"Das alles hätte ich nicht geschafft, wenn meine Frau Gitte nicht so viel Geduld gehabt und mir Unterstützung gegeben hätte." Manfred und Gitte Skrobotz sind seit 1964 verheiratet. "Ich musste bis vor einigen Jahren noch jedes Wochenende und viermal in der Woche trainieren und mit meinen Schützlingen zum Kampf fahren", so Skrobotz. Seine Aufgaben als Trainer erledigte er mit Bravour. Für ihn war es ein Kommen und Gehen - ein Schützling ging, der andere kam. "Heute sind die Talente dünner gesät und kaum noch zu finden. Damals trafen wir uns alle am Cappenberger See, sind joggen gegangen und haben uns etwas erzählt. Heute jedoch bestimmt der Alltag, und es ist nur wenig Zeit für solche Veranstaltungen", blickt der Trainer etwas wehmütig zurück.

"Heute sind die Kinder nicht mehr so talentiert"

1968 erwarb der Judoka seinen Trainerschein und kurz darauf die C-Lizenz, die er immer noch besitzt. Neben dem Judo frönte er bis vor kurzem einem weiteren Hobby. ,,Ich paragleite gern", erzählt Skrobotz dem verdutzten Zuhörer. ,,Ich weiß nur nicht, ob ich es in diesem Lebensjahr noch kann. Aber im letzten Jahr in Oberstdorf habe ich mir Fallschirme geliehen. Die sind nicht so teuer, da man sie ausprobiert und danach kaufen soll. Das ist mir aber dann doch zu teuer."

Das Schönste an der Trainerlaufbahn aber ist immer wieder, seine Schützlinge heranwachsen zu sehen und sich mit ihnen über ihre Erfolge zu freuen. ,,Heute sind die Kinder nicht mehr so talentiert. Vielleicht liegt es daran, dass sie den Kopf mit anderen Dingen voll haben. Die heutigen Kinder und Jugendlichen sind größer und schwerer, da muss ich auf meine Knie und Handgelenke aufpassen und deshalb aufhören", begründet Skrobotz das Ende seiner Trainerlaufbahn. Dennoch wird er weiterhin zweimal in der Woche ins Fitnesscenter am Stadthotel gehen und sich dort mit seinen Altersgenossen fit halten.

Für den schwarzen Gürtel hat es aus Zeitgründen nicht gereicht

1997 erhielt Skrobotz den Ehrenbrief des Nordrhein-Westfälischen Judoverbandes für seine Verdienste um den Judosport. Er besitzt den braunen Gürtel, für den schwarzen reichte es aus Zeitgründen nicht. Als Trainer mit Leidenschaft zum Sport blieb er immer ein Vorbild. ,,Manfred ist ein ganz besonderer Trainer und dazu auch ein besonderer Mensch - eben ein Vorbild. Was er mit seinen 70 Jahren noch auf die Matte legt, ist bewundernswert. Ich wäre auch gerne in diesem Alter noch so fit", schwärmt Pressewart Lars Arnhölter, auch ein ehemaliger Schüler.

Auch in der Vorstandsarbeit der LSV-Judoka war Skrobotz bis vor wenigen Jahren als Kassierer und Sozialwart aktiv. Er selbst hat keine Kinder, das hält ihn aber nicht davon ab, den anderen auf der Matte alles beizubringen.

Ein Hund gegen die Langeweile

"Eigentlich ist Manfred aus dem Verein nicht wegzudenken und kaum zu ersetzen", beschreibt Arnhölter sichtlich gerührt die Wertigkeit des Trainers. Natürlich freut sich die komplette Abteilung, wenn der Ruheständler ab und zu beim Training vorbeischaut. Damit ihm sein künftiges Rentnerleben nicht langweilig wird, legt sich Skrobotz wieder einen Hund, einen Boxer, zu, der ihn auf Trab halten soll.  

Die Judoabteilung des LSV zählt mittlerweile 200 Mitglieder und trainiert in drei Hallen: Osterfeld-, Heikenberg- und Viktoriaschul-Halle. Im Januar 2008 soll ein neuer, qualifizierter Trainer vorgestellt werden.

 

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