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Erstes Erziehungscamp in "Haus Ausblick"

DÜSSELDORF Das in Bedburg-Hau geplante erste Erziehungscamp in Nordrhein-Westfalen zielt zunächst überwiegend auf noch nicht strafmündige Kinder ab. In der Einrichtung „Haus Ausblick“ sollen von Ende des Monats an acht Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren untergebracht werden.

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Armin Laschet

Mitarbeiter bauen in einem Wohnraum Möbel zusammen. Die ersten Jugendlichen sollen das Erziehungscamp bald beziehen.

Idyllisch von außen: Das "Haus Ausblick" in Bedburg-Hau.

Das Konzept solle aber auf ältere Jugendliche ausgedehnt werden, sagte Jugendminister Armin Laschet (CDU) am Montag in Düsseldorf. Die Debatte um schärfere Maßnahmen gegen die Jugendgewalt war Ende vergangenen Jahres durch einen brutalen Überfall von zwei 17 und 21 Jahre alten Jugendlichen auf einen Rentner in der Münchener U-Bahn ausgelöst worden.

Der Träger der Einrichtung in Bedburg-Hau plane weitere Heime in Nordrhein-Westfalen, sagte Laschet. „Bedburg-Hau ist erst der Beginn.“ In weiteren Einrichtungen könnten dann auch ältere Jugendliche untergebracht werden, denen bei einer Bewährungsstrafe die Einweisung in ein solches Erziehungscamp zur Auflage gemacht wird. „Bislang kommen diese Jugendlichen ungeschoren davon, weil sie eine Bewährungsstrafe wie einen Freispruch empfinden“, sagte Laschet.

Träger der Einrichtung in Bedburg-Hau sind die Kaiserswerther Diakonie und die EJF-Lazarus Gesellschaft aus Berlin. Auf dem abseits gelegenen ehemaligen Bauernhof sollen acht Kinder und Jugendliche von Erziehern, Sozialpädagogen und Psychotherapeuten intensiv betreut werden. Sie sollen zu einem klar strukturierten Tagesablauf gebracht werden, an Schulunterricht teilnehmen und in Werkstätten arbeiten.

Die Träger sprechen von einer Jugendhilfeeinrichtung und lehnen die Bezeichnung Erziehungscamp als missverständlich ab. Ihr Konzept hatten sie bereits im November vorgestellt. Laschet verteidigte die Wortwahl. Was in Bedburg-Hau geplant sei, entspreche genau dem, was die CDU unter einem Erziehungscamp verstehe. „Die Jugendlichen werden rund um die Uhr kontrolliert. Es gibt klare Verhaltensregeln und bei Verstößen gibt es Sanktionen.“

Kritik an dem Erziehungscamp kam von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und der SPD. Schutz vor Jugendkriminalität gebe es nicht durch Erziehungscamps, sondern beginne mit der Erforschung der Ursachen, sagte der GdP-Landesvorsitzende Frank Richter. Statt nach Erziehungscamps zu rufen, müsse die Politik Antworten auf überforderte Elternhäuser, auf Verwahrlosung und mangelnde Integration geben.

Die SPD kritisierte die Informationspolitik der Landesregierung. Das Justiz- und das Jugendministerium hätten tagelang „ein Informationschaos sondergleichen angerichtet und die Bevölkerung in NRW ohne Not in Aufregung versetzt“, sagte Fraktionsvize Ralf Jäger. Das seit langem geplante Projekt in Bedburg-Hau solle kein geschlossenes Camp mit Gittern und Mauern sein. Laschet erweise den Trägern einen Bärendienst, „wenn er weiter halsstarrig an der Bezeichnung Erziehungscamp festhält, weil damit der falsche Eindruck eines Straflagers erweckt wird“.

"Mit Konsequenz, Strenge und zugleich Zuwendung"

Der Vorstandssprecher des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche im Rheinland, Uwe Becker, sagte, der Auf- und Ausbau kleiner Intensiveinrichtungen mit durchdachtem pädagogischem Konzept sei die einzig richtige Alternative zu Erziehungscamps. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, sagte, den problematischen Jugendlichen müsse „mit Konsequenz, Strenge und zugleich Zuwendung“ begegnet werden. Er bedauerte, dass die zuständigen Ministerien in Düsseldorf bei ihren Planungen für Jugend- Einrichtungen am Niederrhein nicht das Gespräch mit den erfahrenen Trägern der kirchlichen Jugendhilfe vor Ort oder dem Diakonischen Werk gesucht hätten.

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Armin Laschet

Mitarbeiter bauen in einem Wohnraum Möbel zusammen. Die ersten Jugendlichen sollen das Erziehungscamp bald beziehen.

Idyllisch von außen: Das "Haus Ausblick" in Bedburg-Hau.

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