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Expertengespräch

DÜSSELDORF Die Ablehnung eines eigenständigen Lokführer-Tarifvertrags durch die Bahn ist nach Ansicht des Tarifexperten Reinhard Bispinck nachvollziehbar.

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 „Die Lokführer aus dem sonstigen Tarifgefüge herauszulösen hätte für die Bahn weitreichendere Folgen als es für die Lufthansa damals hatte, die Piloten gesondert zu behandeln“, sagte der Experte vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der DGB-nahen Hans-Böckler- Stiftung am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Düsseldorf. Die GDL ist nicht Mitglied im Gewerkschaftsdachverband DGB.

Vielfältige Konkurrenz

Nach Bispincks Einschätzung käme es zu einer „vielfältigen Konkurrenz“ und einer Menge Sprengsatz unter den Bahnmitarbeitern, wenn die Bahn im festgefahrenen Tarifstreit mit der GDL nachgäbe und den Lokführern einen tarifvertraglichen Sonderstatus gäbe. „Dann wäre es äußerst schwierig, insgesamt noch ein stimmiges Tarifgefüge beizubehalten“, sagte der DGB-nahe Experte. Das Ziel müssten laut Bispinck Verbesserungen für die Lokführer und gegebenenfalls auch für andere Gruppen im Rahmen des bestehenden Tarifgefüges sein.

Bispinck erläuterte: „Piloten tariflich als isolierte Gruppe zu behandeln im Vergleich zum sonstigen Flugpersonal am Boden und in der Kabine führt zu weniger Konflikten. Piloten sind sowieso schon einkommensmäßig höher angesiedelt.“ Bei der Bahn entstehe aber das Problem, dass auch andere Bedienstete wie Fahrdienstleiter oder Wagenmeister Berufe mit hoher Verantwortung oder Schichtarbeit hätten.

"GDL bei weitem noch nicht am Ziel"

„Die Lokführer sind zwar eine Kerngruppe unter den Bahn- Arbeitnehmern, aber eben nicht so herausgehoben.“ Laut Bispinck ist die GDL „bei weitem noch nicht am Ziel“. Vor allem die erhofften Verbesserungen beim Einkommen seien nicht in Sicht und würden von der Bahn bislang auch nicht angeboten. Wenn es zu einem eigenständigen Tarifvertrag komme, dann müsste die Bahn jedoch nicht die Befürchtung haben, dass es auch künftig regelmäßig zu sehr hohen Tarifforderungen käme.

Die Pilotenvereinigung Cockpit zum Beispiel habe keineswegs immer wieder „exorbitante Forderungen“ gestellt. „Es gibt keinen Automatismus, dass die neuen Tarifpartner mit ihren Abschlüssen ständig über der allgemeinen Tarifentwicklung liegen.“ 

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