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FC Bayern München

Meistens schaut der größte Teil von Fußball-Deutschland neidisch nach München, doch nach der lauwarmen Winterpause hat es ausgerechnet den heimischen Branchenprimus eiskalt erwischt. Nach dem Rückrunden-Fehlstart - 2:3 in Dortmund und 0:0 gegen den VfL Bochum - zog der FC Bayern München überraschend schnell die Reißleine und trennte sich mit sofortiger Wirkung von Trainer Felix Magath. Magaths Vertrag war erst vor Saisonbeginn vorzeitig um ein Jahr bis zum 30. Juni 2008 verlängert worden. Nachfolger des 53-Jährigen wurde sein Vorgänger: Ottmar Hitzfeld.

Auch der Gewinn der zwei Meisterschaften und zwei Pokalsiege in seinen ersten beiden Amtsjahren konnten Magath nach nur einem Punkt aus den ersten beiden Rückrundenspielen nicht vor seiner Ablösung bewahren. Denn bei den Verantwortlichen des deutsche Rekordmeisters schrillten die Alarmglocken: «Wir müssen als Club-Verantwortliche die aktuellen Entwicklungen sehen und darauf reagieren. Die Sorge um die Qualifikation für die Champions League in der kommenden Saison hat uns zur heutigen Entscheidung veranlasst», erläuterte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Die Bosse fürchten nicht mehr nur um den Titel, sondern wichtige Millionen-Einnahmen aus der «Königsklasse».

Allen voran Ottmar Hitzfeld soll den Erfolg dauerhaft zurück an die Säbener Straße holen. Ursprünglich hatte sich Hitzfeld auf ein begrenztes Engagement bis zum Saisonende festgelegt, doch schon nach sechs Wochen gab er dem immer stärker werdenden Werben der Bayern-Führung nach und gab seine Zusage bis zum Saisonende 2008. «Ich möchte sehen, ob die Arbeit fruchtet, und wenn ich nicht in die alte Mühle gerate, ist eine längere Zusammenarbeit möglich», äußerte sich Hitzfeld, der bei seinem letzten Abschied aus München ausgelaugt war und nicht wieder eine solche Zeit erleben möchte. «Die Entscheidung, den Vertrag 'nur' für ein Jahr zu verlängern, haben wir gemeinsam getroffen», ergänzte Hoeneß. «Ein Jahr heißt nicht, dass daraus nicht auch eine längere Ehe werden kann.»

In der Winterpause waren Fans, Verantwortliche und Mitspieler noch vom «Deisler-Schock» kalt erwischt worden. Nationalspieler Sebastian Deisler hatte einen Schlussstrich gezogen und seine Karriere mit sofortiger Wirkung beendet. «Die Entscheidung steht: Sie ist in mir gereift. Es war zuletzt für mich eine Qual», sagte der 27-Jährige bei seiner Abschiedspressekonferenz. Mit Deisler, der sich in seiner Karriere fünf Knie-Operationen unterziehen musste und zudem an Depressionen litt, verliert aber nicht nur der FC Bayern, sondern der gesamte deutsche Fußball eines seiner hoffnungsvollsten Talente. «Jetzt muss ich mich erst einmal erholen», gestand ein sichtlich gezeichneter Manager Uli Hoeneß.

Bei den Bayern ist damit das Hoffen auf Deisler als belebendes Element im Mittelfeld beendet. Denn obwohl der aus Barcelona gekommene Mark van Bommel im Laufe der ersten Saisonhälfte immer mehr zu den Stärkeren im Team zählte, schien der Weggang von Michael Ballack noch nachzuwirken. Der mit Nationalspielern gespickten Mannschaft fehlte wegen der WM eine ordentliche gemeinsame Vorbereitung und besonders die jungen Spieler wie Schweinsteiger und Podolski konnten offenbar so kurz nach dem körperlich und emotional aufreibenden Großturnier noch keine Topleistungen bringen - Podolski kämpfte gar vergebens um einen Stammplatz. Zudem hatte die Mannschaft neben Ballack auch langjährige Pfeiler wie Zé Roberto, Lizarazu und Jeremies verloren und bei verbliebenen Routiniers wie Lucio oder Sagnol lief es ebenfalls nicht rund.

So staksten die Münchner mit Pleiten gegen Bielefeld, Wolfsburg oder Hannover durch die Hinrunde - nur einmal gelangen drei Siege hintereinander. Immerhin konnten in der Champions League einige Glanzlichter gesetzt werden, in der Liga ging man mit jeweils drei Punkten Rückstand auf Werder Bremen und den FC Schalke in die Winterpause. Kaum auszudenken, wie es ohne die neun Tore des an der Isar mitunter auch schon heftig gescholtenen «Kaltschnäuzers» Makaay ausgesehen hätte.

All das sollte 2007 der Vergangenheit angehören, Manger Uli Hoeneß war vor dem Rückrundenstart von einer deutlichen Steigerung bei seinem Edelkader überzeugt: «Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn wir nicht viel besser spielen als in der Vorrunde.»

Das Aufgebot:

Tor: 1* Oliver Kahn, 22 Michael Rensing, 29 Bernd Dreher

Abwehr: 2 Willy Sagnol, 3 Lucio, 5 Daniel van Buyten, 18 Andreas Görlitz, 21 Philipp Lahm, 25 Valérien Ismaël, 30 Christian Lell, 32 Mats Hummels

Mittelfeld: 6 Martin Demichelis, 7 Mehmet Scholl, 8 Ali Karimi, 17 Mark van Bommel, 20 Hasan Salihamidzic, 23 Owen Hargreaves, 31 Bastian Schweinsteiger, 36 Stephan Fürstner, 39 Andreas Ottl

Angriff: 10 Roy Makaay, 11Lukas Podolski, 14 Claudio Pizarro, 24 Roque Santa Cruz

* Zahl ist jeweils die Rückennummer

(Stand: März 2007)

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