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Fahrercheck per Assistenzsystem

Stuttgart (dpa/tmn) Es ist dunkel und regnerisch, und schon seit einer Ewigkeit geht es im gleichen Tempo geradeaus. Das Radio ist aus, der Beifahrer sagt kein Wort. Während der Fahrer gegen die Müdigkeit ankämpft, sitzt Werner Bernzen hellwach vor ein paar Monitoren.

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Er beobachtet die Messwerte von einem halben Dutzend Sensoren. Je weiter dem Fahrer die Gesichtszüge entgleiten, desto aufgeregter folgt er den Kurven auf seinen Bildschirmen, die Aufschluss über die Wachheit des Fahrers geben. Als plötzlich ein Warnsignal ertönt und im Tachodisplay das Symbol einer Kaffeetasse aufleuchtet, ist der Ingenieur zufrieden.

Bernzen arbeitet in der Sicherheitsforschung von Mercedes in Stuttgart und unternimmt Abstimmungsfahrten mit einem neuen Assistenzsystem. Es soll von 2009 an müde Fahrer vor dem Sekundenschlaf warnen. Durch die Analyse von Fahrdaten und mit einem feinfühligen Lenkwinkelsensor soll die Elektronik aus dem Lenkverhalten in Abhängigkeit von Fahrdauer, Uhrzeit und äußeren Einflüssen auf die Müdigkeit des Fahrers schließen. Bei Gefahr soll sie ihn mit einem Gong zur Rast auffordern. «Die Warnung soll so rechtzeitig erfolgen, dass man es noch auf den nächsten Parkplatz schafft», erläutert Forscher Jörg Breuer.

«Nachdem Assistenzsysteme mittlerweile das Fahrzeug und seine Umgebung bereits sehr gut überwachen, rückt damit der Fahrer selbst in den Blickpunkt», sagt Breuer. Die Müdigkeit steht dabei ganz oben auf der Tagesordnung. «Schließlich ist sie die Ursache für 24 bis 33 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle.»

Auch andere Hersteller haben sich deshalb des Themas angenommen. Bereits vor Wochen hat Volvo das System «Driver Alert» vorgestellt, das zunächst in den Baureihen V70, XC70 und S80 die Aufmerksamkeit des Fahrers überwachen soll. Dabei beobachten Sensoren und Kameras die Bewegungen des Autos und analysieren, ob sie kontrolliert ablaufen oder nicht, erläutert Projektmanager Daniel Levon. Den Grad seiner Aufmerksamkeit zeigt dem Fahrer eine fünfstufige Anzeige. Wenn nur noch ein Balken erscheint, empfiehlt das System mit einer Textbotschaft und dem Symbol einer Kaffeetasse eine Erholungspause.

Während Volvo auf die Straße schaut, blicken andere Hersteller dem Fahrer buchstäblich in die Augen. So arbeiten Forscher bei VW und Nissan nach Angaben der Unternehmen an Videosystemen, mit denen die Bewegung der Lider beobachtet und die Fahrer alarmiert werden können, wenn ihnen die Augen zuzufallen drohen. Und im Lexus LS 600h achtet eine Kamera darauf, dass der Fahrer in einer brenzligen Situation sein Gesicht nicht zu lange vom Geschehen abwendet.

Aber der Fahrer muss gar nicht übermüdet sein, damit er Fehler macht. «Schon schlechte Laune ist gefährlich genug», sagt Takeshi Mitamura aus dem Nissan-Forschungszentrum in Atsugi. Um die zu vermeiden, hat Nissan für das Konzeptfahrzeug Pivo II ein weiteres Assistenzsystem entwickelt, das mit Hilfe einer Kamera und der Analyse des Fahrverhaltens auf die Stimmung schließt und den Fahrer mit Grimassen eines Roboters im Armaturenbrett aufmuntern oder beruhigen kann. Das klingt vielleicht albern, hat aber für Entwickler Mitamura einen mit Untersuchungen belegbaren Hintersinn: «Wer fröhlich ist, baut weniger Unfälle.»

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