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Fast wie Axel Schulz

SELM RN-Redakteur Malte Woesmann traute sich mit Sascha Weiß in den Boxring: "Ob das so eine gute Idee gewesen ist", denke ich noch. Vor den Feiertagen ausgerechnet noch das Boxtraining ausprobieren. "Na egal", sage ich zu den Kollegen, "dann gibt es halt zu Weihnachten ein blaues Auge!" Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

von Von Malte Woesmann

, 28.12.2007
Fast wie Axel Schulz

Eineinhalb Runden packender Kampf: RN-Redakteur Malte Woesmann (r.) musste gegen Boxer Sascha Weiß so einiges einstecken.

Etwas mulmig ist es ja schon, in der Trainingshalle mit richtigen Boxern zu stehen. Zwar habe ich vor einigen Jahren bereits mit Ju-Jutsu einige Erfahrung mit Kampfsport gemacht, aber richtiges Boxen ist halt doch was anderes.

Bei einigen Übungen wird die Luft knapp

"Geh dich erst 'mal umziehen! Dann sehen wir weiter", empfängt mich Trainer Ingo Milas. Der 1,95 Meter-Hüne betreut das K1-Boxteam und ich "darf" bei einer Trainingseinheit dabei sein. Gesagt, getan, ab in die Umkleide und fünf Minuten später geht's los mit den Aufwärmübungen. Immer wieder treibt uns Ingo Milas an. "Weiter, schneller!", hallen seine Kommandos durch den Trainingsraum. Eine geschlagene halbe Stunde scheucht uns Milas hin und her. Bei einigen Übungen wird die Luft schon knapp.

"Los, Zähne zusammenbeißen", denke ich. Ab zum Schattenboxen. "Wir machen links, dann rechts", sagt Milas zu mir. Pam, pam, pam. Neben mir fliegen die Fäuste durch die Luft. Die Jungs haben es richtig drauf. Geschafft. "Jetzt geht es zum Sparring", sagt Milas. Er hilft noch beim Anlegen von Handbandage und Boxhandschuhen. Der Kopfschutz darf natürlich nicht fehlen. "Er muss ja morgen noch arbeiten", mahnt Redaktionsleiter Theo Wolters meinen Sparringspartner Sascha Weiß zur Rücksicht. Ausgerechnet Sascha ist mein Sparringspartner - mit der beste Boxer im K1-Stall.

Neun Minuten "Boxspass"

Ingo Milas erklärt noch einmal die Regeln. "Bei ,Break' geht ihr sofort auseinander, wir boxen drei Runden à drei Minuten!" Also neun Minuten "Boxspass". Mal sehen, wie lang die Luft hält. Und los geht's. Auf der einen Seite der talentierte Boxer, auf der anderen Seite der Schreibtischtäter. In traditioneller Axel-Schulz-Doppeldeckung versuche ich den Kopf zu schützen. Aber kampflos will ich natürlich nicht untergehen. Also selber schlagen. Erst die linke Fürhand, dann die rechte Schlaghand werfe ich nach vorne - ins Leere. Sascha ist einfach zu schnell, pendelt meine Schlagversuche mit Oberkörper und Kopf aus.

 Hart wird es, als Sascha seine ersten Schläge anbringt. Bumm, bumm. Rechts, links knallen die Fäuste gegen meinen Kopf. Der Kopfschutz federt zwar das meiste ab, die Schläge rütteln mich aber schon durch. "Durchhalten", schießt es mir durch den Kopf.

Aber drei Minuten können ganz schön lang werden. Je näher es dem Pausengong geht, desto mehr schwinden die Kräfte. Nur einmal treffe ich Sascha auf den Oberkörper. "Geht doch", denke ich noch, da kontert mein Gegner mit einer rechten Geraden. "Stopp!" Endlich kommt das ersehnte Kommando von Ingo Milas. Pause. Kollege Kevin Kohues reicht mir etwas Wasser. Ich schnappe nach Luft und versuche, den Puls etwas zu beruhigen. Spätestens jetzt rächt sich die monatelange sportlose Zeit. Ingo gibt für die zweite Runde ein paar Tipps. "Das war schon ganz gut. Versuch jetzt mal, Sascha in der Ecke zu stellen. Und nicht abdrehen und immer die Fäuste oben lassen!"

Herz rast Lunge brennt

Aber mein Herz rast immer noch, meine Lunge brennt und mein Gehirn schreit wie Bruce Willis in "Stirb Langsam": "Was mach ich eigentlich hier!" In der zweiten Runde wollen die Hände überhaupt nicht mehr den Kopf schützen, Sascha dreht richtig auf und ich kassiere einen Treffen nach dem anderen. Gegenwehr meinerseits gleich Null. Es geht nicht mehr, Mitte der zweiten Runde breche ich ab. Völlig erschöpft, aber glücklich es halbwegs überstanden zu haben, klettere ich aus dem Ring. "Respekt, ich hätte nicht gedacht, dass du eine Runde überstehst", lobt Trainer Ingo. Der einzige Schmerz, den ich davon trage, ist der Muskelkater. Der kommt zwei Tage später, ist aber rechtzeitig zu den Feiertagen wieder weg.

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