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FilmDebüt im Ersten: „Herbert“ und „Fado“

Berlin. Schon seit mehreren Jahren sind viele gute Filme im Fernsehen erst spät am Abend zu sehen. Das gilt auch für die Reihe „FilmDebüt im Ersten“.

FilmDebüt im Ersten: „Herbert“ und „Fado“

Ein starker Kerl: Herbert (Peter Kurth). Dann wird bei ihm die unheilbare Nervenkrankheit ALS diagnostiziert. Foto:Frederic Batier/WDR/ARD

Junge Regisseure und Regisseurinnen benötigen meist ein Sprungbrett, um ihre ersten Spielfilme an die Zuschauer zu bringen. Eine Chance sind Filmfestivals, aber im TV-Programm finden sie ungleich mehr Zuschauer.

Nun beginnt die 17. Staffel „FilmDebüt im Ersten“ mit insgesamt zwölf Filmen, die heute startet. Gezeigt werden die Filme „Herbert“ (22.45 Uhr) und „Fado“ (0.45 Uhr) - in beiden geht es um eine gewisse Sprachlosigkeit und um lange unterdrückte Gefühle.

Herbert (Peter Kurth) war mal ein guter Boxer - jetzt trainiert er den jungen Eddy (Edin Hasanovic) und schlägt sich ansonsten als Türsteher und Schuldeneintreiber durch. Eines Tages wird bei dem kräftigen Mann die unheilbare Nervenkrankheit ALS diagnostiziert.

Schon bald braucht er einen Stock, verliert sämtliche Jobs und beginnt, sein verkorkstes Privatleben zu ordnen. Peter Kurth (60) spielt diesen wortkargen und vierschrötigen Kerl mit großer, fast schmerzhafter Intensität und zeigt, in welch rasantem Tempo die Krankheit zuschlägt.

Regisseur Thomas Stuber hat mit Kurth auch den Film „In den Gängen“ gedreht, der seit dem 24. Mai in den Kinos läuft. „Herbert“ war sein Langfilmdebüt, und damit ist ihm eine fein gezeichnete Milieu- und Figurenstudie gelungen, die bis zum bitteren Ende zeigt, dass es im Leben nie zu spät ist für Besinnung.

In „Fado“ reist der junge Berliner Arzt Fabian (Golo Euler) seiner Ex-Freundin Doro (Luise Heyer) nach Lissabon nach, wo sie als Architektin arbeitet. Fabian will Doro zeigen, dass er aus seinen Fehlern - insbesondere seiner Eifersucht - gelernt hat. Doro verliebt sich wieder in ihn, doch schon nach der ersten gemeinsamen Nacht kommen seine Ängste wieder hoch.

Autor und Regisseur Jonas Rothlaender legt hier sein Debüt als Spielfilmregisseur hin. Er schildert das melancholisch geprägte Geschehen aus Fabians Sicht und beschreibt das schwierige Ringen um Vertrauen. Golo Euler (35) zeigt zwar ein fast unschuldiges Gesicht, doch nicht zuletzt seine wirren Träume künden von einem Dämon.

Sabine Holtgreve (48), Redakteurin beim NDR, dem federführenden Sender dieser Reihe, betont gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass es bei dieser Reihe weder Denkverbote noch Quotendruck gebe. Außerdem entstünden viele der Filme in Zusammenarbeit mit Hochschulen und seien vergleichsweise günstig in der Produktion.

Immerhin ein Drittel der Reihe stammt von Regisseurinnen. „Die Hochschulen werden von etwa gleich vielen Regisseurinnen und Regisseuren verlassen, was auch vom Verein ProQuote Regie festgestellt wurde“, sagt Holtgreve. „Das spiegelt sich in den Debütfilmen wider, die uns eingereicht werden. Allerdings verschwinden diese Regisseurinnen nach und nach, und zehn Jahre später betrachtet, hat sich dieses Verhältnis zu Ungunsten der Frauen verändert.“

Die Gründe dafür sind vielfältig, und der Umstand selbst ist bedauerlich, zumal Frauen vor oder hinter der Kamera oft mehr Mumm zeigen als Männer. Alle zwölf Filme haben möglichst viele Zuschauer verdient, nicht zuletzt weil sie gesellschaftlich relevante Themen wie Datensicherheit, Genmanipulation, Gerechtigkeit und Zukunftsängste behandeln.

Als Appetithappen wäre der Film „Herbert“ um 20.15 Uhr sicher auch gut platziert gewesen, um etwas Werbung für die anderen Filme zu machen. Neun von den zwölf Beiträgen sind erst nach Mitternacht im Programm. Einen kleinen Trost immerhin gibt es: Die gesamte Staffel ist schon zum Sendestart in der Mediathek abrufbar.

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