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Fürs gute Gewissen: Sportwagen erhalten «grünes Feigenblatt»

Detroit (dpa/tmn) Die Diskussion um Benzinverbrauch und CO2-Ausstoß erreicht nun auch die Sportwagen. Während bei ihnen bislang allein der Fahrspaß im Vordergrund gestanden hat, rücken nun auch die «Nebenwirkungen» des sportlichen Vergnügens in den Blickpunkt.

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Um das Gewissen der Kunden zu beruhigen und der Gattung ein «grünes Feigenblatt» zu verpassen, zeigten einige Hersteller im Januar auf der North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit die ersten Supersportwagen mit besonders sparsamen oder umweltfreundlichen Antriebskonzepten.

Am meisten Aufmerksamkeit erregt dabei sicher der Audi R8, den die Bayern in Anlehnung an ihre TDI-Siege bei den 24-Stunden-Rennen von Le Mans zumindest als Designstudie erstmals mit einem Selbstzünder ausstatten. «Damit erobert der Diesel auch die letzte Bastion», sagt Audi-Vorstandschef Rupert Stadler mit Blick auf den sechs Liter großen Zwölfzylinder, der auf 368 kW/500 PS und ein maximales Drehmoment von 1000 Newtonmetern (Nm) kommt.

Das alte Image des lahmen Stinkers hat der Diesel damit endgültig abgelegt: Schließlich beschleunigt er den im Design modifizierten und mit eigenwilligem Glasdach ausgerüsteten Zweisitzer laut Audi in 4,2 Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde (km/h) und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 300 km/h. Dennoch sei der V12 ein «Clean Diesel» und erfülle auch die Schadstoffnormen in den USA, sagte Motorenentwickler Michael Dick und stellte einen Verbrauch von weniger als zehn Litern in Aussicht. «Damit ist dieser Sportwagen sparsamer als viele Mittelklasse-Limousinen», so der Entwickler.

Der R8 ist aber nicht der einzige Diesel-Sportler auf der Motorshow. Auch Mitsubishi setzt bei der Studie Concept-RA auf den Selbstzünder. Der Zweitürer, der nach Angaben von Pressesprecher Helmut Bauer einen Ausblick auf die nächste Generation des Sportcoupés Eclipse gibt, wird nicht wie das aktuelle Serienmodell von Benzinern angetrieben. Unter der markanten Motorhaube steckt dem Unternehmen zufolge ein neuer «Clean Diesel» mit 2,2 Litern Hubraum, der auf 150 kW/204 PS und ein maximales Drehmoment von 420 Nm kommt.

Ebenfalls auf ein besseres Umweltgewissen setzen Mazda und Ferrari. Beide Unternehmen zeigen die Studien von Sportwagen, deren Motoren mit Bio-Ethanol betrieben werden können. Ferrari hat dafür den V8 des F430 umgerüstet und ihn für den Einsatz von E85 vorbereitet. Die Leistung soll dadurch um 7 kW/10 PS auf 368 kW/500 PS steigen, während sich der CO2-Ausstoß um fünf Prozent verringert.

Die Japaner haben dagegen die futuristische Studie Furai entwickelt, die sich an den Sportwagen der «American Le Mans Serie» orientiert und von einem Drei-Scheiben-Wankelmotor mit 331 kW/450 PS angetrieben wird. Allerdings verbrennt er nicht wie üblich Benzin, sondern wird nach Angaben der Japaner von reinem Ethanol angetrieben. Der Kraftstoff sei gemeinsam mit dem Mineralölkonzern BP entwickelt worden und werde komplett aus Zellulose hergestellt, die überwiegend aus Pflanzenresten, Mais oder Weizen gewonnen werde. «Das beseitigt die Abhängigkeit vom Öl und bringt das Abgasverhalten des Furai auf ein Niveau, das für ein Fahrzeug mit dieser Perfomance bislang kaum erreichbar schien», sagte Mazda-Sprecher Jochen Münzinger.

Während diese drei Modelle offiziell noch als Studien bezeichnet werden, gilt das technisch ungewöhnlichste Konzept bereits als serienreif: Der einstige BMW- und Aston Martin-Designer Henrik Fisker hat in Detroit seine Sportlimousine Karma vorgestellt, deren Produktion in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres beginnen soll. Sie wird nach Angaben des Entwicklers von einem Elektromotor an der Hinterachse angetrieben, der den rund fünf Meter langen 2+2-Sitzer in weniger als sechs Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und eine Höchstgeschwindigkeit von über 200 km/h erlaubt.

Seine Kraft schöpft der Motor aus einer Lithium-Ionen-Batterie, deren Kapazität für 80 Kilometer ausreicht. Für längere Strecken bekommt der Karma zudem einen Vierzylinder-Benziner, der einen Generator antreibt und unterwegs die Akkus nachlädt. Außerdem gibt es als Option ein Solardach, das beim Parken die Klimaanlage mit Strom versorgt und überschüssige Energie ebenfalls in den Akkus speichert.

Dabei ist nicht nur die Technik des Karma ungewöhnlich, auch die Kosten werden viele Sportwagen-Kunden irritieren: Denn mit einem angepeilten Grundpreis umgerechnet rund 54 000 Euro wird der Karma zum Schnäppchen unter den Sprintern.

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