Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Gericht will Loveparade-Prozess vorantreiben

Anträge abgewiesen

Das Loveparade-Verfahren kommt nur schwer in Gang. Das Landgericht Duisburg muss zu Beginn über eine Flut von Anträgen der Verteidiger entscheiden. Der Vorwurf der Verzögerungstaktik steht im Raum.

,

Düsseldorf

, 03.01.2018
Gericht will Loveparade-Prozess vorantreiben

Holzkreuze für die 21 Opfer der Loveparade an einer Treppe der Gedenkstätte in Duisburg. © dpa

Das Landgericht Duisburg drückt im Prozess um die Loveparade-Katastrophe aufs Tempo. Der Vorsitzende Richter Mario Plein lehnte am Mittwoch zahlreiche Anträge der Verteidiger, die das Ende des Prozesses oder zumindest die Aussetzung gefordert hatten, als unbegründet oder zu unbestimmt ab. Die Verteidiger scheiterten auch mit der Forderung, 33 Aktenordner des NRW-Innenministeriums zum Polizeieinsatz bei der Loveparade 2010 hinzuziehen.

Richter Plein wies am vierten Verhandlungstag in der Messe Düsseldorf fast alle Anträge ab. Auch eine zweite Besetzungsrüge der Anwälte kam bei ihm nicht durch. Allerdings kündigte eine Anwältin umgehend eine dritte Besetzungsrüge an, die am Donnerstag eingebracht werden soll. Nach Ansicht der Verteidiger findet der Prozess vor der falschen Strafkammer statt. „Eine Aussetzung des Verfahrens kommt nicht in Betracht“, sagte Plein.

Richter lehnt Unterbrechung des Verfahrens ab

Auch eine Unterbrechung sei nicht erforderlich. Alle Prozessbeteiligten hätten genug Zeit, sich in die Akten einzuarbeiten. Das gelte auch für das Sachverständigen-Gutachten, dessen zweiter Teil in den nächsten Monaten eingereicht werde. Mit dem mündlichen Vortrag des Gutachters im Prozess sei angesichts des umfangreichen Verfahrens in diesem Jahr ohnehin nicht mehr zu rechnen.

Die 33 Ordner des Innenministeriums seien „verfahrensfremde Akten“ und böten kaum Anhaltspunkte zur Aufklärung. Akten des Landtags-Untersuchungsausschusses zur Kölner Silvesternacht ließ das Gericht dagegen zu. Der Schlussbericht sei im Internet öffentlich zugänglich. Er beschäftige sich ohnehin in nur wenigen Bereichen mit der Loveparade.

Gericht will Loveparade-Prozess vorantreiben

Richter Mario Plein lehnte zahlreiche Anträge der Verteidigung ab, die ein Ende oder eine Aussetzung des Verfahrens um die Loveparade-Katastrophe gefordert hatten. © dpa

Beim Loveparade-Unglück am 24. Juli 2010 in Duisburg waren im Gedränge Zehntausender Menschen 21 Menschen erdrückt und mindestens 652 verletzt worden.

Zehn Personen sind angeklagt

Wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung sind sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent angeklagt. Die Anklage wirft ihnen schwere Planungsfehler vor, die zu einer rechtswidrigen Genehmigung der Techno-Parade geführt hätten. Sicherheitsrelevante Auflagen seien nicht beachtet und umgesetzt worden.

Wann die ersten Zeugen in dem Prozess vernommen werden, war zunächst weiter unklar. Die Verteidiger hatten den von den Nebenklägern erhobenen Vorwurf, eine Verzögerungstaktik zu betreiben, zurückgewiesen. Ende Juli 2020 verjähren die Vorwürfe.

Lesen Sie jetzt

Prozessauftakt

Angehörige von Loveparade-Opfern wollen Gerechtigkeit

Anträge über Anträge, eine seitenlange Anklage. Beim Auftakt des Loveparade-Prozesses ging es sehr bürokratisch zu. Um die Opfer ging es nicht. Dabei ist der Tag vor allem für seine emotionale Angelegenheit.