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Google bringt Smartphone-Bezahldienst nach Deutschland

Kann Google mit seiner Marke das Bezahlen per Smartphone in Deutschland aus der Nische führen? Der Internet-Konzern macht mit Google Pay einen groß angelegten Anlauf. Zunächst sind Commerzbank und Comdirect sowie zwei Online-Banken dabei.

Berlin

26.06.2018
Google bringt Smartphone-Bezahldienst nach Deutschland

Philipp Justus, Vize-Präsident von Google für Zentraleuropa, stellt in Berlin den neuen Smartphone-Bezahldienst Google Pay vor. Foto: Jens Büttner

Google bringt seinen Smartphone-Bezahldienst nach Deutschland und kommt damit dem Rivalen Apple zuvor. Bei Google Pay ersetzt ein Telefon mit dem Google-Betriebssystem Android die Kreditkarte, zum Zahlen hält man das Gerät im Laden an das Terminal.

Die Kassentechnik muss dafür kontaktloses Bezahlen per NFC-Funk unterstützen - ein großer Teil der Terminals in Deutschland wurde bereits entsprechend umgerüstet. Außerdem kann man mit Google Pay auch bei Online-Käufen sowie in Apps bezahlen.

Die Partner von Google Pay zum Start in Deutschland sind neben den Kreditkarten-Riesen Mastercard und Visa die Commerzbank zusammen mit Comdirect sowie die Online-Banken N26 und Boon. Folgen sollen demnächst die LBBW und Revolut. Bei Online-Zahlungen wird die mit dem Google-Konto verbundene Karte belastet - hier ist damit egal, von welcher Bank sie ist. Der Händler muss dafür Google Pay als Bezahloption unterstützen.

Deutschland ist das 19. Land mit Google Pay. Der Internet-Konzern sehe den Dienst als eine offene Plattform, sagte Google-Manager Philipp Justus am Dienstag in Berlin. „Wir freuen uns auf weitere Partner.“ Zugleich gehen mehrere deutsche Bankengruppen auf eigene Faust ins Geschäft mit Smartphone-Zahlungen. So will die genossenschaftliche FinanzGruppe der Volksbanken und Raiffeisenbanken im August das kontaktlose Bezahlen per Handy anbieten.

Google bekomme keinen Anteil von den Transaktionen, betonte Konzernmanager Spencer Spinnell. Dem Internet-Konzern gehe es darum, Geschäfte zu ermöglichen und Android möglichst attraktiv zu machen. Nutzerdaten verwende Google lediglich dafür, um eine ausführliche Rechnung zu den Käufen zu erstellen. „Wir geben grundsätzlich keine Daten unserer Kunden weiter, auch nicht an Google“, sagte Torsten Daenert von der Commerzbank.

In Deutschland ist das Bargeld nach wie vor viel populärer als in anderen Ländern, befindet sich aber allmählich auf dem Rückzug. Im vergangenen Jahr ging der Anteil der Barzahlungen am Umsatz nach Zahlen der Unternehmensberatung Oliver Wyman von über 53 Prozent auf unter 48 Prozent zurück. „Solange wie der Kunde mit dem Bezahlen mit Bargeld zufrieden ist, wird er nicht so schnell auf mobile Payment umsteigen“, betont Oliver-Wyman-Experte Gökhan Öztürk. Die Kooperation der Mobil-Plattformen und der Banken biete die Chance, den Anteil der Barzahlungen weiter zu reduzieren - „aber ich rede hier nicht von zwei-drei Jahren, sondern langfristig“.

Das Bezahlen per Smartphone gilt schon seit Jahren als Zukunftsvision, blieb jedoch bisher ein Nischengeschäft und ist im Volumen der deutschen Handelsumsätze kaum messbar. Frühe Modelle mit Strichcodes auf dem Bildschirm erwiesen sich als unpraktisch. Seit sich NFC-fähige Terminals im Handel ausbreiteten, gibt es inzwischen mehr Apps einzelner Banken, die kontaktloses Bezahlen anboten. Die iPhone-Besitzer sind davon vorerst ausgeschlossen: Die NFC-Schnittstelle der Telefone ist bisher nur für den hauseigenen Dienst Apple Pay zugänglich. Auch aus der deutschen Bankenbranche gab es bereits Forderungen nach einer breiteren Öffnung.

„Europäische Banken befürchten, obsolet zu werden, wenn morgen große Player wie Apple und Google - oder auch Amazon und Facebook - in den Markt für Finanzdienstleistungen reingehen sollen“, sagte Öztürk. „Daher nutzen die Banken jetzt auch aus taktischen Gründen die Chance, mit diesen großen Plattform-Anbietern etwas gemeinsam zu machen.“ Commerzbank-Manager Daenert betonte am Dienstag, im Smartphone-Markt müsse man auf Ebene der Betriebssysteme einen Fußabdruck hinterlassen, um Reichweite zu bekommen. Außerdem sei der Vorteil, dass die Lösung international funktioniere.

„Es gibt zwei unterschiedliche Ansätze: Es entweder komplett selber zu machen oder mit einem Partner wie Google - und wir werden beide im Markt sehen“, sagte Branchenexperte Oliver Hommel von der Unternehmensberatung Accenture. In Deutschland sei es auch wichtig, die girocard beim mobilen Bezahlen zu unterstützen. Zum einen sei die Verbreitung von Kreditkarten viel geringer. „Das heißt, wer die Masse der Kunden bedienen und diesen nicht gleichzeitig zwangsweise eine Kreditkarte verkaufen will, muss die girocard einbinden.“ Auch der Handel ziehe angesichts geringerer Transaktionsgebühren die girocard vor.

Abzuwarten bleibt auch, ob in Deutschland mit dem Erhöhten Datenschutz-Bewusstsein und der Skepsis gegenüber amerikanischen Internet-Riesen der Name Google eine Belastung sein könnte. „Das wird sicherlich eine spannende Frage sein und am Ende des Tages wird das der Markt beantworten“, sagte Hommel.

Google überholt mit dem Start den Konkurrenten Apple auf dem deutschen Markt. Der iPhone-Konzern hat seit Herbst 2014 ein ähnlich funktionierendes Bezahlsystem für seine Telefone und Computer-Uhren, das schrittweise auch in europäischen Ländern eingeführt wird. Über einen anstehenden Start von Apple Pay in Deutschland wurde bereits mehrfach spekuliert, er blieb jedoch bisher aus. Apple verlangt einen Anteil von 0,15 Prozent von den Transaktionen.

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