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Gute Nerven gefragt

FRANKFURT AM MAIN Der Kursanstieg an den internationalen Börsen scheint vorbei - viele Banken stehen wegen der Immobilienkrise in den USA unter Druck. Unser Berliner Korrespondent <i>Christoph Slangen</i> sprach darüber mit Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

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Gute Nerven gefragt

Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank: "Ich glaube nicht, dass die Wende an den Aktienmärkten jetzt bereits da ist."

Kursstürze an den internationalen Börsen, ist der Aufschwung bereits vorbei? Walter: Ich glaube nicht, dass die Wende an den Aktienmärkten jetzt bereits da ist. Es ist immer noch sehr viel Geld im Markt, für das rentable Anlagen gesucht werden. Es gibt ein historisch niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis vor allem an den europäischen Börsen. Ich kann mir unter diesen Umständen nicht vorstellen, dass wir nach einer Marktberuhigung nicht wieder Zuflüsse in die liquiden Aktienmärkte bekommen werden.

Handelt es sich um eine Korrektur, die nach den Kursgewinnen der letzten Monate und Jahre notwendig ist? Walter: Wir haben zuletzt eine Verminderung der Risikoprämien für bestimmte Länder und bestimmte Anlageklassen gesehen, die einfach unvernünftig war. Portfolio-Manager wollten unbedingt eine hohe Rendite erzielen, die mit klassischen Anlageformen nicht zu erzielen war. Deshalb sind sie auf hochspekulative Märkte ausgewichen – an exotischen Börsen oder auch in das Geschäft mit amerikanischen Immobilienkrediten schlechter Bonität.

Diese Übertreibungen sind inzwischen erkannt. Die Risikoprämien für solche spekulativen Geschäfte werden in nächster Zeit sehr viel höher sein als sie zuletzt waren. Tendenziell wirkt die Korrektur an den Finanzmärkten mit ihren Folgen also konjunkturdämpfend.

"Die hohen Zuwachsraten haben sich im Sozialprodukt nicht gezeigt"

Das bedeutet für Europa und für Deutschland? Walter: Europäer und Deutsche waren Nachzügler in der Konjunktur. Sie haben noch ein halbes oder ein dreiviertel Jahr zur Entwicklung vor sich. Man muss einräumen: Im zweiten Quartal war die Lage in mehreren europäischen Ländern weniger gut als erhofft. Die hohen Zuwachsraten aus dem ersten Vierteljahr, die man auch nach den Stimmungs- und Nachfrageindikatoren bis zuletzt erwarten konnte, haben sich im Sozialprodukt nicht gezeigt. Das war meiner Einschätzung nach eine Schwäche, die wieder vorübergeht.

Müssen Privatanleger nervös werden? Walter: Die Deutschen waren mehrheitlich beim Anstieg der Kurse in den letzten vier Jahren nicht dabei. Sie sind also von Korrekturen nicht betroffen. Wenn diese potenziellen Anleger klug sind und gute Nerven haben, sollten sie an schlechten Tagen kaufen, um beim nächsten Anstieg dabei zu sein.

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