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Abschiebung verhindern

Haltern In Lohn und Brot zu stehen, ist ein entscheidendes Kriterium dafür, dass geduldete Ausländer das Bleiberecht erhalten. "Aber wie soll ich mit 50 Jahren einen Job finden?", fragt Nihat Berisha.

08.08.2007

Verständnislos schüttelt er den Kopf: "Das gelingt ja nicht mal meinen deutschen Freunden!"

Nihat Berisha ist verzweifelt. Der gebürtige Jugoslawe lebt mit seiner Frau und den fünf Kindern seit 16 Jahren in Haltern. Die quälende Angst, plötzlich doch noch abgeschoben zu werden, sitzt ihm jeden Tag im Nacken.

Unrealistische Chance

Die Neuregelung des Bleiberechts bietet Berisha und seinen Angehörigen zwar eine Chance, dort zu leben, wo sie sich heimisch fühlen, wo sie ins Sozialleben voll integriert sind. "Aber es ist unrealistisch, dass ich Arbeit finde und den Lebensunterhalt für mich und meine Familie ohne Sozialleistungen sichern kann", sagt Berisha.

Die Vertreter der Kirchen und des Caritasverbandes in Haltern sehen das genauso und schlossen sich jetzt einer bundesweiten Unterschriftenaktion der Deutschen Bischofskonferenz und der evangelischen Kirche an. Als erste signierten Pfarrerin Regine Vogtmann, Dechant Bruno Pottebaum und Gerald Kraus, Migrationsbeauftragter der Caritas, im Paul-Gerhardt-Haus den "Aufruf für eine humanitäre Umsetzung der Bleiberechtsregelung".

Frist bis Ende 2009

Von den zurzeit rund 200 geduldeten Ausländern in Haltern haben "etwa 140 die Chance, das Bleiberecht zu bekommen", schätzt Kraus. Sie fallen in den Geltungsbereich des neuen Gesetzes, das Familien berücksichtigt, die seit sechs Jahren in Deutschland leben, und Einzelpersonen, die ihre Heimat vor mindestens acht Jahren verlassen haben. Wer bis Ende 2009 Arbeit, Wohnung und Sprachkenntnisse vorweisen kann, darf bleiben. "Alle anderen müssen mit der Abschiebung rechnen", so Kraus.

Aus Sicht der Kirchen beinhaltet das Gesetz eine Reihe Ungerechtigkeiten. "Es ist inhuman, dass Kinder ab 14 Jahren einen eigenen Antrag stellen können, wenn ihre Eltern das Land verlassen", betont Bruno Pottebaum. Macht sich ein geduldeter Ausländer strafbar, wird die ganze Familie abgeschoben.

Für das neue Bleiberechtsverfahren ist ein Heimatpass Pflicht. Kriegsflüchtlinge haben große Probleme, die Papiere zu beschaffen. In den Konsulaten werden sie schikaniert und abgezockt. Nihat Berisha: "Pässe und Urkunden für meine Familie haben mich bis jetzt fast 4000 Euro gekostet." Christoph Walter

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