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"Das System krankt"

Haltern Am Ende ist alles gut: Die sechsjährige Enya besucht seit einigen Wochen die integrative erste Klasse der Martin-Luther-Schule und fühlt sich dort pudelwohl.

30.08.2007

Bis es allerdings so weit war, musste Familie Cremer aus Hamm-Bossendorf viele Höhen und Tiefen durchschreiten. Enya hat eine taktile Wahrnehmungsstörung, Berührungen bereiten ihr Probleme. Nach Besuch der integrativen Gruppe im Kindergarten Heilig Kreuz stellte sich für die Eltern die Frage: Auf welche Schule soll Enya gehen? Das Schulspiel an der Flaesheimer Grundschule, so Claudia Cremer, habe 2006 ergeben, dass Enya sowohl Probleme im sprachlichen Bereich als auch beim Zahlenverständnis hatte und für ihre schulische Laufbahn besonderer Förderung bedarf.

Gutachten

Die Eltern wünschten sich für ihr Kind den integrativen Unterricht an einer Regelschule, am liebsten in Flaesheim. Als Grundlage für die Entscheidung, an welcher Schule ein behindertes Kind unterrichtet wird, dient der Schulaufsichtsbehörde in Recklinghausen ein Gutachten. Erstellt wird dieses von einem Sonderschullehrer sowie einer Grundschullehrerin. In Enyas Fall sprach sich der Sonderschullehrer der Erich-Kästner-Schule dafür aus, Enya an seiner Schule anzumelden. Parallel zur Gutachten-Erstellung in diesem Jahr ließen Enyas Eltern einen Test an der Dattelner Kinderklinik durchführen.

Darin beweist Enya gutes Hörvermögen sowie eine überdurchschnittliche Intelligenz. Familie Cremer fühlte sich in ihrem Wunsch bestätigt, ihr Kind auf eine Regelschule zu schicken und die Sprachschwierigkeiten mit gezielter Förderung zu überwinden. "Diese Einschätzung", sagt Claudia Cremer, "hat uns auch Enyas Logopädin bestätigt."

Beim Gespräch in der Schulaufsichtsbehörde in Recklinghausen konnte Familie Cremer ihre Argumente vorbringen, musste danach jedoch lange Zeit bangen, ob ihrem Wunsch entsprochen wird.

Mehrbelastung

Denn an der Martin-Luther-Schule, Halterns einziger Schule mit integrativen Klassen, stehen nicht unbegrenzt Plätze zur Verfügung. Und so musste Familie Cremer bis zwei Tage vor Ferienbeginn bangen, ob es klappt. Mit der Entscheidung ist Claudia Cremer zufrieden, mit der Vorgehensweise weniger. Zu kurz erschien ihr teilweise die Begutachtungsdauer, zu lange dauerte die Gutachtenerstellung: "Eltern mit behinderten Kindern haben sowieso mehr Rennerei. Und dann noch das. Das ganze System krankt. Es sollte hinterfragt werden." Heike Riemann

Fortsetzung: 3. Lokalseite

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