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Das vergessene Foto

MÜNSTER Michael Bührke hätte es beim Besuch seines kranken Nachbarn fast vom Stuhl gehauen. Und das lag weniger am Schnupfen des Gastgebers.

von Von Thorsten Berg

, 09.01.2008
Das vergessene Foto

Michael Bührke hätte sich über einen Hinweis über die Verwendung seines Fotos gefreut.

Auf dem Tisch stand eine Vorrats-Box mit Taschentüchern – und darauf abgebildet ein blaues Holzhaus mit abgezogenem Hundefell an der Wand. Bührke erkannte das Motiv gleich wieder. Kein Wunder, es war sein Foto, das die Deko-Box der Drogeriemarktkette dm zierte. Aufgenommen 1994 bei einer Geografie-Exkursion nach Grönland. „Ich habe jahrelang nicht daran gedacht“, sagt der 42-jährige Münsteraner. Doch da war es wieder.

„Ein Touristen-Foto, weil das Haus so schön war“, erinnert sich Bührke. Geschossen mit seiner Konfirmationskamera – einer Canon AE1. 1979 die erste Kamera weltweit mit einem Mikrochip zur Berechnung der Belichtung. dm benutzte es als Blickfang für eine seiner farbigen Pappboxen „soft+sicher“. Außen die blau getünchte Blockhütte inmitten der arktischen Steppe, innen profane Taschentücher. Und davor Michael Bührke, der keine Ahnung hatte, wie das Foto auf die Box gekommen war.

Grönland-Exkursion

Zusammen mit sieben anderen Bildern der Grönland-Exkursion hatte es der ambitionierte Hobbyfotograf Anfang 2000 auf die Internetseite der Online-Fotoagentur „Photocase“ hochgeladen. Dort darf grundsätzlich jeder auf die Bilder zugreifen. Professionelle Grafiker bedienen sich der hochwertigen Fotos als Basis für ihre Arbeit. Wer selbst keine Bilder einstellt, muss Photocase für die Fotos bezahlen. Einstellende Fotografen können sich für jedes ihrer Bilder fünf andere kostenlos herunterladen. Am Vorgehen der Drogeriemarktkette und ihrer Werbeagentur gab es so gesehen rechtlich nichts zu beanstanden. Dennoch ist es bei Photocase gute Sitte, die Urheber der Bilder vorab über eine Verwendung zu informieren, sagt Bührke: „Man fühlt sich als Fotograf schließlich ein wenig gebauchpinselt.“ Die ausführende Agentur hätte es „im Eifer des Gefechts vergessen“, über die Verwendung zu informieren, teilte der dm-Verantwortliche Bührke auf Anfrage in einer E-Mail mit. Dazu gab es einen 10-Euro-Einkaufsgutschein als Dankeschön. „Ich hätte eher mit etwas Symbolischem gerechnet“, sagt Bührke. Ein Bildband über Grönland vielleicht. Das hätte der Pressesprecher der Rafaelsklinik nett gefunden. Geld sei nicht alles.

Ein Haus am See

Dass es auch anders geht, habe ein russischer Immobilienhändler gezeigt. Für die Vermarktung eines Hauses an einem russischen See habe er sich ein Bergsee-Bild von Bührke aus der sächsischen Schweiz heruntergeladen. „Der hat sich aber wenigstens gemeldet.“

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