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Die Seele Indiens

Haltern "Extrem!" Zu diesem Wort greift Alex Schwickert gerne, wenn er über Indien spricht.

10.08.2007

Über die extremen Gerüche des Landes, die extreme Geräuschkulisse, die extreme Hitze. Doch gerade diese Extreme waren es, die den Reiz seines einjährigen Abenteuers ausmachten. Nach dem Abitur zog es Schwickert in die Ferne. Durch ein freiwilliges Auslandsjahr wollte er neue Kulturkreise kennen lernen. Bei der Aktionsgemeinschaft Partner Indiens (API) fand er die passende Anlaufstelle und dann ging alles ganz schnell.

Im Juli letzten Jahres saßen Schwickert und vier andere deutsche Freiwillige seines Alters im Flieger in ein Land, das sie bis dato nur aus Büchern und Filmen gekannt hatten. "In Indien spielt sich das Leben überwiegend auf der Straße ab, überall sind Menschen", so Schwickert. Ständiger Kontakt miteinander sei normal, Privatsphäre kenne man nicht. In Schwickerts Fall waren es 400 Kinder im Alter von sechs bis hin zu 16 Jahren, die ein Jahr lang zu seinen ständigen Begleitern wurden. Zusammen mit einem zweiten Freiwilligen arbeitete er auf der Chetna-Schule, mitten in der indischen Provinz. Die anderen drei deutschen Helfer betreuten technische Schulungen oder ein HIV-Projekt.

Teure Bildung

Bildung, so Schwickert, sei ein Problem in Indien. Viele Eltern hätten selbst keine genossen und hielten es daher für sinnvoller, ihre Kinder auf dem Feld mithelfen zu lassen oder früh zu verheiraten. "Die meisten Schulen liefern entweder schlechte Bildung umsonst oder gute Bildung zu einem fast unbezahlbaren Preis." Die Chetna-Schule, das Aushängeprojekt vom API, sei hier eine Ausnahme: Gestützt von deutschen Spendengeldern sichere API Qualitätsstandards, durch den Internats-Charakter werde den Kindern, die alle aus armen Verhältnissen kommen, das Lernen erleichtert.

Englischunterricht, Reparaturarbeiten, Instandhaltung der hauseigenen Solarstation, Mithilfe auf der Krankenstation der Schule oder die Erstellung von Budgetplänen - die Spanne der Aufgaben war breit und Eigeninitiative gefragt. "Ein aufwändiges Projekt war das Sammeln und Digitalisieren von Schülerdaten." Bei rauschenden Festen lernten Schwickert und seine Mitstreiter dann die temperamentvolle indische Seele hautnah kennen. Die kulturellen Barrieren fielen schnell, bis auch ein gemeinsames Bad mit Kühen Normalität war. Und wenn sich die Gelegenheit ergab, waren es die Reisen durch das riesige asiatische Land, bei denen Schwickert einige seiner prägendsten Erfahrungen sammelte. Inklusive Weihnachten an Traumstränden, einem fünftägigen Intensivkurs in Indiens Yoga-Hauptstadt und - am Fuß des Himalaya - einem tiefen Schluck aus dem Ganges, dessen Wasser den Hindus heilig ist. Leonid Sirotin

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