Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Halterner möchten Zeit in Kundus nicht missen

Bericht aus Afghanistan

HALTERN Nach dem Tod von drei Fallschirmjägern wird der Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan immer unpopulärer. „Wir können uns nicht einfach verabschieden“, sagt Martina Kuhlmann. Sie hat als Entwicklungshelferin in Kundus gearbeitet und dort ihren Lebensgefährten Harald Mundt kennen und lieben gelernt.

von Von Elisabeth Schrief

, 07.04.2010

Martina Kuhlmann (36) sieht es wie ihr Lebensgefährte Harald Mundt (47): „Wir müssen den Einsatz ehrlich reflektieren, neu bewerten und vor einem Abzug mit Nachhaltigkeit langfristige Strategien unter Beteiligung der Afghanen entwickeln.“ Sonderpädagogin Martina Kuhlmann reiste im Juni 2006 als Mitarbeiterin des „Teachers Training College“ ein und blieb bis 2008. Harald Mundt, den sie im Kundus kennen und lieben lernte, war 2004 in Afghanistan und dann ab 2007 wieder tätig - u.a. im Auftrag der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit. Nach der Geburt von Ben im Dezember verlegten die gebürtige Rekenerin und der gebürtige Schwede ihren Lebensmittelpunkt nach Haltern.

In Afghanistan folgte einem „wahnsinnig herzlichen Empfang“ für Martina Kuhlmann die Ernüchterung: Trotz Aufbruchstimmung herrschte Chaos, in den Schulen gab es weder Stunden- noch Lehrpläne, Bibliotheken besaßen keine Bücher, Strom- und Wasserversorgung waren häufig unterbrochen, extreme klimatische Bedingungen erschwerten den Alltag. Als Frau auf die Straße zu gehen, empfand Martina Kuhlmann extrem nervend: Sie wurde angerempelt, mit Pfiffen begleitet oder Männer versperrten ihr den Weg. Harald Mundt, mit seinen Risikomanagement-Büros zuständig für Sicherheitsfragen der zivilen Hilfsorganisationen, sah sich mit „irrsinnigen Komplikationen“ konfrontiert, als er Frauen einstellte.

Martina Kuhlmann und Harald Mundt lernten gefährliche Situationen kennen, nahmen Schüsse und Detonationen mit Beklemmungen wahr. „Nach dem Tankerunglück verschlechterte sich die Lage extrem“, sagt Martina Kuhlmann. Es sei schwer, sich in das Land zu verlieben, Afghanistan sei reizvoll und spannend, dieser Eindruck nutzte sich allerdings schnell ab. Beide möchten aber ihren Aufenthalt dort nicht missen. Sie sehen dabei vor allem die Menschen. Harald Mundt: „Afghanistan ist ein zwischen politischen Interessen zerriebenes Land. Die Menschen haben Hilfe verdient.“