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Ich möchte gern ein Künstler sein

HALTERN/MARL "Ich komme in ganz unterschiedliche Stimmungen, wenn ich male. Manchmal denke ich an Zuhause." Peters Zuhause ist Waltrop, aber vor allem der Wohnverbund in Marl-Sinsen.

von Von Elisabeth Schrief

, 23.01.2008

Er gehört zu jener Gruppe junger, geistig behinderter Menschen, die bei Wilhelm Zelmer in der Tagesförderstätte ihre Kreativität ausleben. Peter, Jaqueline, Markus, Christian und andere spielen jede Woche Theater und schaffen in einem sich langsam entwickelnden Atelier vielgestaltige Kunstobjekte.

Zum Zehnjährigen des Wohnverbundes stellten sie ihre Arbeiten erstmals in öffentlichen Räumen aus: in der "Oase" (Zentrum für Kommunikation der Ruhr-Uni Bochum), der Kneipe "Komma!" in Recklinghausen, im Inselforum Marl und im Café Nöldemann auf dem Gelände der Haardklinik. Gerne würde die kreative Gruppe auch ihre Fühler nach Haltern ausstrecken und sich hier mit ihrer Kunst empfehlen.

Christian Rykaczewski wurde übrigens von einem Galeristen entdeckt. Der talentierte 34-Jährige freut sich auf eine Einzelausstellung im Frühsommer.

Bizarr und zart

Wilhelm Zelmer, Erzieher, Theaterpädagoge und Musiker, ermutigt seine Schützlinge unentwegt und freut sich mit ihnen über Erfolge: "Die Möglichkeiten, sich auszudrücken sind so vielfältig, dass die geistige Beeinträchtigung eines Menschen das künstlerische Tun nicht behindern kann, es sogar oft erst ermöglicht." Sie malen auf unterschiedlichen Materialien zart, grenzenlos, mit Kraft, bizarr, undefinierbar, kindlich, gegenständlich - das Spektrum orientiert sich an der persönlichen Befindlichkeit eines jeden Einzelnen. "Die Malerei gibt den jungen Menschen Stabilität und Bestätigung, manchmal hilft sie bei der Charakterfindung." Wichtig ist, dass sie mit ihrer Kunst außerhalb des Wohnverbundes ankommen. Daraus schöpfen sie Selbstwertgefühl und Anerkennung.

Blick schärfen

Zunächst geschah diese künstlerische Arbeit im Verborgenen, erst vor zwei Jahren wagten sich die Künstler in öffentliche Räume. "Da ist noch viel Entwicklung drin", sagt Wilhelm Zelmer. Er ist der Motor. "Er hat durch sein Engagement und seine künstlerische Begabung den Blick für die Bedeutung der Kunst erst geschärft", würdigt Stefan Rütsch aus Sythen, Leiter des Wohnverbundes, das Engagement von Zelmer. An Ausstellungen knüpft er die Hoffnung, dass sie dazu beitragen, jene Menschen mehr zu achten, die sonst allzu oft ausgegrenzt werden.

Wilhelm Zelmer weiß, wie wichtig seine Arbeit ist. Als er Peter fragte, was denn passiere, wenn er ein Bild male, antwortete dieser: "Dann bin ich woanders. Dann freue ich mich total über die Farben."

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