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Joachim Gauck trug sich ins Goldene Buch ein

Lesung in der VHS

DORSTEN Als sich der Pastor, Bürgerrechtler und ehemalige Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes, Joachim Gauck, am Montagabend im Forum der VHS in das Goldene Buch der Stadt Dorsten eintrug, zitierte Bürgermeister Lambert Lütkenhorst den spanisch-amerikanischen Philosophen George de Santayana: „Diejenigen, die sich nicht der Vergangenheit erinnern, sind verurteilt, sie erneut zu durchleben.“

von Von Werner Wenig

, 13.04.2010
Joachim Gauck trug sich ins Goldene Buch ein

Joachim Gauck trug sich im Beisein von Bürgermeister Lütkenhorst ins Goldene Buch der Stadt ein.

Auch aus diesem Grund hat Dorsten, wie Lütkenhorst betonte, „eine wache und lebendige Erinnerungskultur.“ Gauck bedankte sich, dass Franz-Josef Stevens, „dieser sagenhafte Typ“, wie er launig bemerkte, ihn zum zweiten Mal zu einem Vortrag einlud, diesmal, um sein Buch „Winter im Sommer - Frühling im Herbst“ vorzustellen. Den weit über 100 Zuhörern wurde schnell klar: dieser Mann repräsentiert wie kaum ein anderer die personifizierte und gelebte deutsche Geschichte der Nachkriegszeit. Es war Winter im Sommer 1951, als sein Vater abgeholt und nach Sibirien verbannt wurde, und es wurde Frühling im Herbst 1989, als er die ersehnte Öffnung der Mauer erlebte. Joachim Gauck, der Pastor aus Mecklenburg, wurde Volkskammerabgeordneter und Leiter einer Behörde, die wegen ihres komplizierten Namens nach ihm benannt wurde. Noch heute treibt es ihm die Tränen in die Augen, wenn er aus seinem Buch liest, das voller persönlicher Erinnerungen ist und damit ein sehr privates Bild der DDR zeichnet.

  „Ich habe Lampenfieber, wenn ich lese, denn dann wird die vergangene Zeit wieder ganz lebendig in mir.“ Für ehemalige Westdeutsche eröffnet das Buch den Zugang zu einer Welt, die sich von der bundesrepublikanischen stark unterschied. Auch die Sicht der DDR-Bürger auf „den Westen“ kann man so kennen lernen. „Wenn ich mit Westdeutschen zusammentraf, erklärten die mir immer den Sozialismus und ich ihnen den Westen“, erläutert er. Für die Staatsmacht war er kein bequemer Bürger. Immer muckte er auf. Was ihn trieb, war der unbändige Wille, frei leben zu können, frei zu wählen, und überall seine Meinung offen sagen zu können. Mit der Maueröffnung begann für ihn der Frühling im Herbst, und mit ihm all das, was eine Demokratie ausmacht. Die gewonnene Freiheit ist ihm auch heute noch das Wichtigste, auch wenn sie im gelebten Alltag einen Teil ihres Glanzes verloren hat. „Ich erinnere mich an die Zeit ohne Freiheit, sie wird mir daher immer leuchten.“