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Könner und Bastler im Ohr

Haltern Er bezeichnet sich als Bastler im menschlichen Ohr. Die gleichwertige Fingerfertigkeit beider Hände ist für ihn ebenso ein Muss wie eine fundierte Diagnostik bevor das OP-Messer angesetzt wird.

12.10.2007

Dr. Rolf Budde leitet seit fast 30 Jahren die mikrochirurgische HNO-Abteilung im St. Sixtus-Hospital als Belegarzt.

Am Donnerstagabend schickte er Interessierte im Alten Rathaus auf die Reise durch Ohrgänge, Nasennebenhöhlen und Kehlkopf. In meist weniger als einer Stunde und überwiegend unter örtlicher Betäubung - dabei atraumatisch, d.h. gewebeschonend - werden heute die meisten Eingriffe im HNO-Bereich vorgenommen. Dank der Erfindung des Kaltlichts, so Budde, seien auch endoskopisch invasive Operationen möglich. 15- bis 30-fach vergrößere ein Mikroskop das Operationsfeld. "Selbst feinste Ohrknöchelchen wie Hammer, Amboss und Steigbügel können in vielen Fällen so ersetzt werden". Da müsse er schon mal basteln. Beim Einsatz mikrofeiner Instrumente komme es auf ein bis eineinhalb Millimeter an. "Das erfordert genaueste Kenntnisse der Anatomie und eine absolut ruhige Hand".

Folgeschäden verringern

Indikationen für einen Eingriff sind zum Beispiel Wucherungen im Gehörgang, die sich aufgrund ständiger Ätzung durch Chlorwasser bilden. Trommelfelloperationen - etwa die Behebung einer Perforation durch das Anbringen einer Mikrofolie oder der komplette Ersatz durch ein zehn Cent großes Stück des eigenen Schläfenmuskels - gehören heute zu Standardeingriffen. "Eine Nichtbehandlung könnte Knochenfraß zur Folge haben", warnte Budde vor Folgeschäden durch das Eindringen von Eiterherden, das zu Abszessen oder Hirnhautentzündung führen kann. Auch bei Otosklerose (Schwerhörigkeit) seien je nach Befund Verbesserungen zu erzielen.

Im Halsbereich kritisierte Budde mangelnde Vorsorge. "Durch einfache Kontrollen können Stimmbänder auf Vorstufen von Krebs untersucht werden". So könnten viele Kehlkopfentfernungen vermieden werden. Ebenfalls die Nasennebenhöhlen seien schnell und problemlos endoskopisch zu säubern. Die nur in geringer Zahl anwesenden Zuhörer jedenfalls können durchatmen: Dank der Mikrochirurgie bescheinigte Budde HNO-Eingriffen geringe Risiken. Ellen Adam

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