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Lernen für ein neues Leben in Haltern

Sprachkurse für Migranten

Schüler unterschiedlicher Nationen kommen zum Deutschlernen im Trigon zusammen. Die Sprache ist für sie der Schlüssel zu einem neuen Leben.

Haltern

, 09.07.2018
Lernen für ein neues Leben in Haltern

Kursleiterin Brigitte Leineweber erklärt Schülern, wo sie Grammatikregeln im Lehrbuch nachschauen können.Wiethoff © Foto: Silvia Wiethoff

Im Sprachkurs der VHS geht es heute um Zusammenhänge. Sind sie kausal und nennen den Grund, konditional (Bedingung), konzessiv (Gegensatz) oder konsekutiv (Folge)?

„Gut, dass die Fachbegriffe erklärt werden“, denkt der deutsche Muttersprachler. Für die Schüler des Kurses ist die Unterrichtseinheit eine Herausforderung von vielen. Sie stammen aus Syrien, dem Iran, aus Angola, der Ukraine und aus Griechenland. Sie alle haben eine dicke, selbst beschriebene Kladde dabei, in der sie alle Besonderheiten der deutschen Grammatik aufgeschrieben haben. Ach, es gibt so viele Ausnahmen von der Regel.

Viermal in der Woche treffen sich die Teilnehmer im Trigon, um mit den Kursleiterinnen Corinna Giessner und Brigitte Leineweber die deutsche Sprache zu pauken. „Dass die Schüler aus unterschiedlichen Kulturen kommen, ist kein Problem“, sagt Brigitte Leineweber, die sich den Unterricht mit ihrer Kollegin teilt. Sie haben bereits einen Integrationskurs absolviert und bereiten sich nun in einem speziellen Kurs (B2-Level) in 400 Stunden auf eine Berufstätigkeit in ihrem neuen Heimatland vor.

In ihren Herkunftsländern waren sie beispielsweise als Lehrer oder Röntgenassistent tätig oder haben noch studiert. „Sie sind ziemlich fit. Man kann gut mit der Gruppe arbeiten, weil sich ihre Teilnehmer auf einem ähnlichen sprachlichen Niveau befinden“, erklärt Brigitte Leineweber. Ihre Aussage wird während des Unterrichts im Halterner Jugendzentrum bestätigt. Es wird deutlich, dass diese Schüler kein Problem damit haben, sich mündlich auf Deutsch auszudrücken.

Rege Diskussion im Unterricht

Bei einer Diskussion über die Zugangsberechtigung an deutsche Unis, die an diesem Tag zum Unterrichtsschwerpunkt gehört, tauschen sich die Kursteilnehmer rege aus. Sie vergleichen das deutsche System mit dem ihrer Heimatländer und stellen eine Gemeinsamkeit fest. Überall auf der Welt versuchen Eltern, den Bildungsweg ihrer Kinder zu beeinflussen, weil sie sich wünschen, dass es diesen besser geht als ihnen selbst, oder dass eine Familientradition fortgesetzt wird.

Die deutsche Sprache ist das eigentlich verbindende Element in der Gruppe. Für die Schüler steht sie für die Zukunft. Alle hoffen, dass sie schon bald den Anschluss schaffen und ein eigenständiges Leben in Deutschland führen können. Dabei ist ihnen bewusst, dass es nicht leicht sein wird, diesen Traum zu verwirklichen.

So sagt Samia Ayo (38), die mit Mann und drei Kindern vor drei Jahren vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen ist: „Mein Mann ist Automechaniker. Er macht jetzt eine Ausbildung zum Schweißer. Ich glaube, jemand, der zu Hause als Handwerker gearbeitet hat, hat es in Deutschland leichter.“ Sie selbst hat es ungleich schwerer, an ihren alten Job als Lehrerin anzuknüpfen. „Ich bin fast 40 und muss mich auch noch um die Kinder kümmern“, beschreibt sie ihre Situation. Trotzdem gibt sie nicht auf. „Ich habe den B1-Kurs geschafft. Jetzt absolviere ich B2“, berichtet sie. Außerdem ist Samia Ayo bereits in der Hausaufgabenhilfe für ausländische Kinder beim Caritasverband tätig. Ihren Traum, als Lehrerin zu arbeiten, verfolgt sie weiter, denkt aber auch über einen Plan B nach. Vielleicht mache sie einmal eine Schneiderei auf, verrät sie, das liege schließlich nahe, da sie sich in Syrien als Kunstlehrerin auch mit Stoffen und Textilien beschäftigt hat.

Um Integration bemüht

Mit ihrer Familie wohnt Samia Ayo in Sythen. „Es ist nicht wie in unserer Heimat, aber es funktioniert“, meint sie. Zum Glück gebe es im Dorf einige Leute, die sich um Flüchtlinge und ihre Integration bemühen. „Die Sythener sind sehr nett. Ich glaube, wir bleiben dort“, sagt die Syrerin. Ihre Kinder haben bereits guten Anschluss gefunden. Die beiden älteren Söhne besuchen die Realschule in Haltern, die Tochter geht noch in den Kindergarten. „Wenn wir hier bleiben, bleiben wir für unsere Kinder“, betont sie.

Die Grammatik, die sie an diesem Tag im Trigon gelernt haben, könnte in der nächsten Prüfung von Samia Ayo und ihren Mitschülern eine Rolle spielen. Ihre beiden Lehrerinnen freuen sich jedes Mal, wenn es ihre Schüler wieder geschafft haben. Das ist für sie eine Bestätigung der Unterrichtsqualität und für die Schüler aus aller Welt ein weiterer kleiner Schritt auf dem Weg, in Deutschland Fuß zu fassen.