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Mit Millionen jonglieren

HALTERN/ESSEN "Der Stress ist fast der gleiche wie bei einem Einfamilienhaus. Es sind nur mehr Menschen beteiligt."

von Von Silvia Wiethoff

, 28.12.2007
Mit Millionen jonglieren

<p>Jens Balke koordinierte die 70 Millionen Euro teure Neugestaltung der Philharmonie in Essen. Der Konzertsaal verfügt über eine herausragende Akustik. Wiethoff</p>

So ganz mag der Besucher den Worten von Jens Balke keinen Glauben schenken, denn der 35-jährige Halterner betreut hauptverantwortlich den Neubau des Folkwang Museums Essen und daran sind wahrlich viele Planer und Handwerker beteiligt. Gerade betonieren die Arbeiter in der riesigen Baugrube die ersten Bodenplatten und sorgen somit für den Grundstein des 55 Mio. Euro teuren Projekts.

Jeder normale Häuslebauer würde angesichts dieser gewaltigen Summe erst einmal Fracksausen bekommen. Jens Balke aber jongliert jeden Tag mit einem Millionenetat. "Ich bin der böse Bube, der den Architekten sagen muss, was zu finanzieren ist", sagt der Bauingenieur über seine Aufgabe. Als Koordinator hat er auch beim Kostencontrolling für das Folkwang Museum den Hut auf. "Eine reizvolle Aufgabe", wie er begeistert findet.

Karrieresprung

Dabei hatte er selbst gegen Ende seines Studentenlebens an der Uni Essen nicht damit gerechnet, dass seine Karriere einen derartigen Verlauf nehmen würde. Die Abschlussarbeit schrieb er im Jahr 2000 über das Thema Seedeichbinnenböschung. ("Damit hätte ich höchstens Deichgraf werden können.") Kulturbauten waren zu diesem Zeitpunkt noch ganz weit weg. Ein Studentenjob verhalf zur großen Wende. Sein betreuender Professor arbeitete im Bereich Städtebau bereits mit der W+P Gesellschaft für Projektabwicklung zusammen. Als diese Nachwuchskräfte suchte, fiel die Wahl auf Jens Balke. "Mein Vorstellungsgespräch hat 15 Minuten gedauert", erinnert sich der Halterner an die kurze Zeitspanne, die sein weiteres Leben veränderte.

Versuchen wir es", habe W+P-Chef Klaus Wolff gesagt. Daraus sind mittlerweile mehrere Jahre geworden. "Ich habe Glück gehabt", meint Jens Balke.

Zunächst steuerte der junge Ingenieur den Um- und Neubau der Philharmonie in Essen. Gerade noch hatte er das überschaubare Budget des Studenten verwaltet, da zeichnete er für ein 70 Mio. Euro-Projekt verantwortlich. "Man muss nur schauen, dass alle Arbeiten laufen", beschreibt er den damit verbundenen Berufsalltag bescheiden.

Beim Besuch des Gebäudes, das übrigens in der Nachbarschaft des neuen Folkwang Museums liegt, offenbart sich dann die Leidenschaft, die für eine solche Aufgabe notwendig ist. Ein Konzertsaal mit perfekter Akustik und Hebebühne unter den stufig angeordneten Publikumssitzen, ein Backstagebereich der Extraklasse, ein imposantes Foyer - Jens Balke freut sich zurecht an dem, was unter seiner Leitung entstanden ist. Ähnlich begeistert ist er schon jetzt vom neuen Folkwang Museum, das bisher nur als Modell existiert. Ausstellungsflächen auf einer Ebene, lichtdurchflutete Räume mit einer Verbindung zur Natur im Außenbereich, mehr Flächen für die Kunst - Jens Balke freut sich auf das, was unter seiner Leitung entsteht.

Bis zur Eröffnung der Kunstsammlung wird er noch einige Grabenkämpfe überstehen müssen. "Ich bin ein Teamplayer", sagt er über sich. Gelernt habe er das Miteinander beim Halterner Pfadfinderstamm Seeadler. Seinen Wurzeln ist er bis heute treu geblieben. Immer noch wohnt er in seiner Heimatstadt Haltern, obwohl er seine Wohnung meist nur zum Schlafen sieht.

An der Rekumer Straße gibt es die für ihn ideale Hausgemeinschaft, bei der natürlich wiederum Pfadfinder eine Rolle spielen. "Wenn ich meine Waschmaschine mal nicht leer bekomme, macht das meine Nachbarin", grinst Balke. Zeit fürs Private bleibt eben nur selten. "Das bringt der Job so mit sich", sagt er und schaut auf die Uhr, weil sich die vereinbarte Zeit für das gemeinsame Gespräch dem Ende neigt.

Bedeutende Kunstsammlung

Das Museum Folkwang ist eine bedeutende Kunstsammlung in Essen. Das Gebäude wurde ab 1899 im Neo-Renaissancestil errichtet und am 9. Juli 1902 eröffnet. Die begrenzte Ausstellungsfläche führte in neuerer Zeit zur Idee für einen Neubau. Im August 2006 wurde von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung bekannt gegeben, dieses Projekt mit 55 Mio. Euro zu unterstützen. Zum Jahr 2010, wenn Essen als Teil der Kulturhauptstadt Ruhr glänzen soll, wird auch mit der Fertigstellung des 17 500 Quadratmeter großen Gebäudes gerechnet. Der Entwurf stammt vom britischen Stararchitekten David Chipperfield.

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