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Professor Stieren rechnete mit der Stadt ab

29.08.2007

Haltern Schon bald nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten musste Dr. Conrads in einer Rede erkennen, "dass unser Volkskanzler Adolf Hitler Wert darauf lege, dass das deutsche Volk sich mit der Geschichte des eigenen Volkes mehr beschäftige als mit der antiker Völker."

Statt mit römischen Ausgrabungen hatte sich der Altertumsverein mit der völkischen Vergangenheit auseinander zu setzen. Die Themen der Festreden lauteten jetzt: "Die Geschichte der Germanen bis zur Zeit Christi" oder "Armin, ein deutscher Held".

Es wurde das Wort vom "römischen Kulturschutt" geprägt, für den sogar ein eigenes Haus erbaut worden sei, während die eigenen Erinnerungsstücke unbeachtet am Wegesrand liegen blieben.

Der Versuch der Stadt, die Straßen im Römerviertel durch Namen deutscher Helden und verdienter Männer der NS-Bewegung zu ersetzten, ließ sich nicht verwirklichen.

Gerettete Exponate

Nach der Zerstörung des Museums im März 1945 wurden die geretteten Exponate notdürftig im Keller des Amtshauses (heute Musikschule) gelagert. Erst 1954 fanden sie ein neues Domizil in den Räumen der Alten Post am Merschtor (heute Volksbank).

Bei der Einweihung des Museums am 20.7.1954 hielt Prof. Stieren, Leiter der Altertumskommission Westfalen, eine ungewöhnliche Festrede. Es war keine Würdigung des Halterner Fundplatzes, sondern eine Abrechnung mit der Stadt Haltern und deren Umgang mit der Archäologie. Was schon vor dem 1. Weltkrieg begonnen hatte, setzte sich nach 1925 fort. Die Stadt ließ bei der Erschließung des "Neuen Viertels" im Bereich des Hauptlagers Varusstraße/Augustusstraße tiefgründig Sand abgraben ohne vorherige archäologische Untersuchung.

Erfolge beeinträchtigt

So wurden die Grabungserfolge von vornherein stark beeinträchtigt, da die Stadt Haltern die römische Kulturschicht in diesem Bereich zur Auffüllung des Graf-von-Galen-Platzes hatte abtragen lassen. Immer wieder mussten bei Bauvorhaben in Haltern kurzfristig Rettungsgrabungen durchgeführt werden, um den römischen Befund zu sichern. 1953 hatte der Geländebedarf auf das Hauptlager übergegriffen.

Stieren nannte das eine Tragödie und eine Katastrophe für die Wissenschaft. Es wäre so, wie im Bericht von Tacitus über die alten Griechen: Jeder baut sein Haus dort, wo es ihm passt. Um eine drohende Vernichtung des Fundplatzes Haltern abzuwenden und seine Qualifikation als künftigen Museumsstandort nicht zu gefährden, müssten drei Forderungen erfüllt werden:

Schaffung einer Zone als Ausgrabungsreservat,

Bebauung nur in Übereinkunft mit der Archäologie,

Einhaltung des festgelegten Bebauungsplans.

Stadtdirektor Jäkel versprach alles zu tun, um den Ruf Halterns als Römerstadt zu wahren. Die Stadt muss wohl die Vereinbarung eingehalten haben, sonst gäbe es in Haltern heute kein Römermuseum. RM

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